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jolli87 [userpic]

Tatort Fanvideo: Feels like home - Boerne/Alberich

January 6th, 2014 (10:48 am)
bouncy

current mood: bouncy

Ein kleines Video für alle Boerne/Alberich-Shipper!

Musik: Feels like home (instrumental) von Jetta

(Vermutlich wird den Google- und Youtube-Usern die Hintergrundmusik bekannt vorkommen. Aber mit den Videos ist es fast so schlimm wie mit den (Fanfiction)-Plot-Bunnys: wenn die Idee einmal dahergehoppelt kommt, muss sie verarbeitet werden.)


jolli87 [userpic]

Weihnachtswunsch

December 19th, 2013 (08:30 am)
tired

current mood: tired

Short-Cut: Kurzerhand entschließt sich Silke Haller ihren Chef zu ihrem Weihnachtsfest einzuladen. Diese Entscheidung hat Folgen…
Fandom: Tatort Münster
Kategorie: Romance
Rating: PG-12
Anmerkung: Beitrag zum Tatort Adventskalender 2013; 19. Türchen: Spontaner Weihnachtsfluff ohne Beta. Rosamunde Pilcher lässt grüßen ;-)

[HIER klicken]

Es gab zugegebenermaßen schönere Beschäftigungen, als den Nachmittag damit zu verbringen Arbeitsprotokolle zu prüfen und zu vervollständigen. Aber selbst von dieser eintönigen Arbeit ließ sich Silke Haller an diesem Tag nicht entmutigen. Weihnachten stand vor der Tür und sie freute sich auf die freien Tage, die vor ihr liegen würden, sobald sie sich bis zum Feierabend vorgekämpft hatte. Den kleinen Schieberegler am Wandkalender hatte sie heute Morgen zufrieden auf den 22. Dezember geschoben. Sie brauchte zumindest noch einen freien Tag, um alle Vorbereitungen für das Weihnachtsfest zu treffen. Gedanklich war sie bereits eine lange „To-do-Liste“ durchgegangen, die sie morgen unbedingt noch abhaken musste. Vorher wollte sie aber sicher gehen, dass keine halbfertigen Arbeiten über die Feiertage liegen blieben.

Sie seufzte leise vor Erleichterung, als sie auch die letzte Datei mit gutem Gewissen schließen konnte. Ihr Nacken hatte sich durch das lange Sitzen am Computer ziemlich verspannt und sie streckte sich einmal ausgiebig, um ihre eingeschlafenen Muskeln wiederzubeleben. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie schon wieder eine Stunde überzogen hatte. Dabei hatte sie heute eigentlich pünktlich schlussmachen wollen. Für gewöhnlich war ihr Chef dafür verantwortlich wenn sie mal wieder nicht nach Hause kam, aber heute hatte sie sich die Überstunde selbst zuzuschreiben. Zumindest konnte sie aber nun mit gutem Gewissen in die Weihnachtsfeiertage starten.
Sie griff nach einem kleinen Stapel von Untersuchungsmappen, auf die Boerne noch einen Blick werfen wollte. Diese in sein Büro hinüberzutragen würde ihre letzte Amtshandlung für heute sein.

Als sie von ihrem Labor hinüber in den Obduktionssaal ging, sah sie sofort, dass noch Licht in Boernes Büro brannte. Sie hatte dahingehend nichts anderes erwartet. Ihr Chef kannte weder geregelte Arbeitszeiten, noch machte er sich etwas aus gesetzlichen Feiertagen. In den letzten vier Wochen war das Wort Weihnachten praktisch überhaupt nicht gefallen, so wie fast jedes Jahr. Silke hatte es schon lange aufgegeben sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Sie war der Meinung, dass jeder selbst wissen musste, wie er mit diesem Fest umging und wenn Boerne daran nur wenig Interesse zeigte, dann war das seine Sache. Eine Abneigung konnte sie keinem verübeln, dem schon Ende August Lebkuchen und Spekulatius aus den Ladenregalen entgegensprangen oder der beim fünfzigsten Mal Last Christmas schreiend Amok lief. Und was familiäre Feierlichkeiten anging, war Weihnachten bekanntlich prädestiniert für heimischen Zoff.
„Wollen Sie nicht auch langsam nach Hause, Chef?“, fragte sie beiläufig, während sie wie gewohnt ohne große Vorankündigung in sein Büro spazierte. Sie arbeitete lange genug hier, um die unsichtbaren Regeln zu kennen. War die Tür auf, stand sie jedem offen; war sie zu, betrat man den Raum auf eigene Gefahr.

Boerne, der über einem dicken Fachbuch brütete, dessen Titel Silke nicht lesen konnte, sah nicht auf, sondern erwiderte lediglich ein Brummen, das man auf viele Weise interpretieren konnte. Silke fasste es weder als ja oder nein, sondern als ein Ich habe Ihre Anwesenheit zur Kenntnis genommen auf. Auch das empfand sie längst nicht mehr als abweisend, wie es die meisten Leute wohl getan hätten. Wenn er sich gedanklich in seine Arbeit vertieft hatte, ließ er sich nur ungern stören.

Deshalb legte Silke auch ohne einen weiteren Kommentar die Mappen auf seinen Schreibtisch und wollte sich bereits wieder abwenden, als ihr Blick an ein paar achtlos zwischen den Arbeitsunterlagen verstreuten Briefen hängen blieb. Sie musste nicht näher hinsehen, um die diversen Logos und Schriftzüge zu erkennen. Von den Rotariern, über den Golfclub bis hin zum Freundeskreis der Opernliebhaber flatterten ihrem Chef jedes Jahr aufs Neue diverse Einladungen zu Weihnachtsfeiern in die Post. Boerne war allein schon von Berufswegen dazu verpflichtet, sich ein festes Standbein innerhalb des Netzwerks zu sichern. Doch manchmal fragte sich Silke, wie viel davon wirklich noch Vergnügen und was nicht schon längst lästige Pflicht war.

„Wollen Sie Weihnachten wirklich auf solchen Veranstaltungen verbringen?“, fragte sie schließlich frei heraus.
„Ist das denn so schlimm?“ Boerne antwortete ihr, ohne seinen Blick vom Buch zu heben.
Silke verneinte leise, um sich Zeit zu verschaffen. Zeit, die sie brauchte, um darüber nachzudenken, ob sie sich wirklich auf diese Diskussion einlassen wollte. Sie hatte akzeptiert, dass Boerne das Thema Weihnachten mied und trotzdem brannten ihr so einige Fragen auf der Zunge.

„Wollen Sie nicht lieber mit Ihrer Familie feiern?“
Jetzt war es ihr doch herausgerutscht. Sie konnte beobachten, wie er langsam den Kopf hob und einmal tief durchatmete, vermutlich weil er lieber ungestört weiterarbeiten wollte.
„Meine Schwester zieht es vor, Weihnachten am Strand zu verbringen. Und Henriette…“ Er schnaubte leise. „…die würde mir wahrscheinlich Zyankali ins Essen mischen, wenn ich es wagen sollte bei ihr aufzutauchen.“
Das schien ihm Antwort genug zu sein, denn er hatte seine Nase bereits wieder tief in das Buch vergraben.


Silke verharrte einen Moment regungslos. Fast bereute sie es, überhaupt erst mit diesem Thema angefangen zu haben. Sie wollte sich die kommenden Tage nicht darüber den Kopf zerbrechen und entschied sie sich deshalb dazu das Feld zu räumen, indem sie sich von ihrem Chef verabschiedete, ohne es aber zu versäumen ihm trotz allem frohe Weihnachten zu wünschen. Er erwiderte den Gruß ohne aufzusehen, doch Silke war sich längst nicht mehr so sicher, ob das nicht seine Taktik war ihrem Blick auszuweichen.
Fast hätte sie die offene Bürotür schon erreicht, als sie kurzerhand stehen blieb und sich noch einmal umdreht.
„Wenn Sie noch nichts anderes vorhaben…“, begann sie entschlossen und beobachtete, wie Boerne überrascht aufsah. „…ich habe für den Weihnachtsabend ein paar Freunde eingeladen. Es ist nichts Großes, einfach ein gemütliches Beisammensitzen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie auch kommen möchten.“
Sie musste einmal tief durchatmen, bis sie sich vergegenwärtigt hatte, dass sie ihn tatsächlich gefragt hatte. Ihre Einladung schien ihn aus dem Konzept gebracht zu haben, das erkannte sie daran, das er sie lange mit gerunzelter Stirn über den Rand seiner Brille musterte, ohne ein Wort zu sagen.


Dann aber – als Silke bereits das Gefühl gehabt hatte, ihr Chef wäre durch diese Frage zur Salzsäule erstarrt – rührte er sich wieder und brachte ein angedeutetes Nicken zustande.
„Ich werde darüber nachdenken“, gab er schließlich zurück.
Eine nicht gerade sehr elegante Art, mir einen Korb zu geben, dachte Silke, doch sie ließ sich ihre Enttäuschung nicht anmerken. Immerhin hatte sie es versucht.
„Wir fangen um halb acht an“, bemerkte sie, auch wenn sie wusste, dass es sinnlos war. Im Nachhinein bereute sie es, ihn gefragt zu haben. Auf ihn musste es wirken, als bemitleide sie ihn, dass er sonst keinen Ort hatte, an den er an Weihnachten gehen konnte. Womöglich hatte sie ihn damit gar gekränkt.
Daher wartete sie auch nicht mehr auf eine Reaktion seinerseits, sondern wandte sich ab und ging.


****

Zwei Tage später
Das Fleisch brutzelte verlockend, als Silke den Bräter ein Stück weit aus dem Ofen zog. Innerhalb von Sekunden erfüllte ein Duftgemisch aus Lorbeer, Thymian und Zwiebeln die Küche. Zufrieden nahm sie den großen Löffel, um die gefüllte Kalbsrolle ein weiteres Mal mit Bratensaft zu übergießen, ehe sie das Gitter wieder mit dem Topflappen zurück in den Ofen schob. Es würde nicht mehr lange dauern, bis das Essen fertig war.
Während sie sich aufrichtete und sich vergewisserte, dass das Rahmgemüse auch nicht zu stark köchelte, hörte sie wie nebenan im Wohnzimmer bereits ausgiebig gelacht und gefeiert wurde und irgendwo im Hintergrund eine CD mit alten Weihnachtshits lief. Sie freute sich wie jedes Jahr auf die gemeinsame Zeit mit ihren Freunden. Es war inzwischen zur Tradition geworden, dass sie sich jedes Jahr am 24. Dezember abwechselnd bei einem von ihnen trafen, um den Kontakt nicht einschlafen zu lassen. Auch wenn sie manche von ihnen schon seit der Schulzeit kannte, waren nicht alle in Münster geblieben. Doch an Weihnachten kamen sie alle zusammen. Das war – so empfand es Silke zumindest – das schönste Geschenk.

Sie würzte das Gemüse gerade nach, als Tina zur Küche hinein geschlendert kam und sich gelassen an den Tresen lehnte.
„Mmmm, das riecht ja köstlich. Ich habe schon Hunger wie ein Wolf.“
Silke schmunzelte und rührte mit dem Kochlöffel einmal um. Tina sagte immer, was sie dachte und bei ihr hatte sie ohnehin nie Hemmungen. Sie war schließlich ihre Schwester. Den Leuten war es früher immer schwer gefallen ihr Verhältnis zueinander richtig zu interpretieren. Tina war drei Jahre jünger als Silke, allerdings um einiges größer. Tina nannte sie daher gerne auch liebevoll „meine kleine, große Schwester“.


„Kann ich dir zur Hand gehen?“, fragte sie und spähte dabei neugierig in einen Kochtopf. Silke schüttelte aber nur beiläufig den Kopf.
„Es dauert nicht mehr lange. Die Vorspeise ist schon so gut wie fertig.“
Tina lächelte zufrieden. Manchmal beneidete Silke sie wirklich um ihre Figur. Ihre Schwester konnte so gut wie alles essen und schien nicht ein Gramm zuzunehmen.

„Hübsches Armband“, bemerkte Silke nach einem kurzen Seitenblick, als Tina am Anhänger des Schmucks herumspielte.
„Hat Christoph mir geschenkt“, gab ihre Schwester zurück. „Wenigstens einmal ein Mann, der Geschmack hat. Wenn ich nicht wüsste, dass er auf Männer steht, würde ich bei dem nichts anbrennen lassen.“
Sie mussten beide lachen. Silke vermisste oft die unbeschwerten Gespräche mit ihrer Schwester. Seit Tina wegen ihres Jobs nach München gezogen war, sahen sie sich leider nicht mehr so oft. Die gemeinsame Zeit zu Weinachten war ihnen beiden heilig.


„Was hältst du eigentlich von diesem Johannes, den Pia da angeschleppt hat?“, fragte Tina, während sie einen unauffälligen Blick zur Küchentür hinauswarf, wo sie direkt ins Wohnzimmer sehen konnte. „Komischer Kauz irgendwie. Ich finde, die beiden passen gar nicht zusammen.“
„Jonathan“, korrigierte Silke sie, während sie ein Brett nahm und einen kleinen Bund Petersilie kleinhackte. „Sein Name ist Jonathan. Johannes hieß der Typ, den sie letztes Jahr dabei hatte.“
„Ach, was weiß ich!“ Tina winkte kopfschüttelnd ab. „Ist sowieso sinnlos sich den Namen zu merken. In spätestens einem halben Jahr hat sie eh wieder einen anderen.“
Da mochte sie nicht Unrecht haben. Sie kannten ihre gemeinsame Freundin Pia schon lange genug, um zu wissen, dass sie ihre Männer wechselte wie ihre Unterwäsche. Das wiederrum war etwas, wofür Silke keinen Neid verspürte. Aber Pia hatte in der Schule schon immer zu denen gehört, die den Jungs den Kopf verdrehen konnten.


„Was ist eigentlich mit dir?“, hörte sie schließlich ihre Schwester fragen. Silke schob die Kräuter mit dem Messer in die Kürbiscremesuppe und entgegnete gelassen: „Ich hab‘ doch einen.“ Dabei deutete sie ein Nicken in die hintere Ecke der Küche an, wo sich Wotan gerade ausgiebig auf seinem Kissen streckte.
Tina zog die Stirn kraus, während sie den Hund beobachtete. „Bei aller Liebe, Silke, aber ich würde dir einen Kerl empfehlen, der den aufrechten Gang besser beherrscht und weniger sabbert.“

Silke grinste nur, ersparte sich aber einen weiteren Kommentar. Sie wusste, dass es ihre Schwester nur gut meinte, aber momentan behagte ihr das Singleleben ganz gut. Der Haufen, der da draußen im Wohnzimmer beisammen saß, war ohnehin bunt gemischt: vom Familienmenschen bis zum überzeugten Single. Sie hatte in dieser Runde noch nie das Gefühl gehabt aus der Reihe zu tanzen, weil sie schon seit Jahren keine ernsthafte Beziehung mehr geführt hatte. Es war nun mal nicht so einfach einen Mann zu finden, der ohne weiteres über ihre Kleinwüchsigkeit hinwegsah. Sie wurde meist schneller in eine Schublade gesteckt, bevor sich überhaupt jemand die Mühe machte, ihren wahren Charakter kennenzulernen.

Silke wollte gerade nach dem Kochlöffel greifen, als es an der Tür klingelte. Das konnte nur Anette sein, die kam grundsätzlich immer als Letzte.
„Rührst du mal kurz die Suppe um? Ich mach auf“, trug sie ihrer Schwester auf und eilte bereits zur Haustür. Bei dieser Eiseskälte wollte sie niemanden länger als nötig draußen stehen lassen.

Sie fragte sich gerade, mit welcher Ausrede ihre Freundin sich diesmal wieder aus der Affäre ziehen würde, als sie vor Verblüffung innehielt, kaum dass sie die Tür geöffnet hatte.
„Chef!“, stieß sie überrascht hervor, während sie einmal blinzeln musste, um sich zu vergewissern, dass die Augen ihr keinen Streich spielten. Aber sie täuschte sich nicht. Vor ihr stand Boerne, fest eingepackt in einen Wintermantel mit dazu passendem Schal und Hut. Silke war immer wieder aufs Neue überrascht, wie er sich ungeachtet jeder Temperaturlage stets so elegant kleiden konnte.

„Bin ich zu spät?“, fragte er statt einer Begrüßung. Erst da wurde Silke bewusst, dass sie ihn immer noch anstarrte und schüttelte daher hastig den Kopf.
„Nein. Natürlich nicht! Kommen Sie doch rein!“
Sie trat einen Schritt beiseite, um ihn herein zu lassen und er kam ihrer Aufforderung unverzüglich nach, versäumte es aber nicht, sich beim Eintreten artig die nassen Schuhe am Teppich abzutreten.


Abgesehen von seinem überraschenden und nicht ganz uneigennützigen Krankenbesuch vor ein paar Jahren war Boerne nie in ihrem Haus gewesen. Sie konnte sehen, dass er einen Moment lang neugierig den Blick schweifen ließ, während sie die Haustür schloss. Er war kein Mann, der sich schnell verunsichern ließ und doch merkte sie, dass er sich mit einer gewissen Vorsicht auf das ihm fremde Terrain vorwagte. Nach dem Gespräch vor zwei Tagen hatte sie nicht mehr damit gerechnet, dass er ihre Einladung doch annehmen könnte.
„Es freut mich, dass Sie kommen konnten“, bemerkte sie mit einem Lächeln, das absolut ehrlich war. Zugegebenermaßen gehörte für die meisten Leute der eigene Chef nicht gerade zu den favorisierten Gästen auf einer privaten Weihnachtsfeier. Aber diese Leute verstanden auch nicht was es hieß, über Jahre alle Höhen und Tiefen gemeinsam durchzustehen.


„Ich wusste nicht, was Sie für das Essen planen. Ich hoffe, Rotwein ist angemessen.“ Silke nahm verblüfft die Geschenktüte entgegen, die er ihr überreichte. Sie war keine Weinkennerin, aber wie sie Boerne einschätzte, gehörte dieses Tröpfchen ganz sicher nicht zu den Billigsten.
„Oh, das wäre doch nicht nötig….“
Weiter kam sie nicht, denn ihre Schwester schaffte es mal wieder den unpassendsten Moment für ihren Auftritt zu finden.
„Silke, wo hast du denn deine Streichhölzer? Ich wollte schon mal ein paar Kerzen anz…“ Tina verstummte augenblicklich als sie Boerne bemerkte und musterte ihn, als wäre er ein Wesen von einem fremden Planeten. Sicher hatte auch sie mit ihrer allseits sich verspätenden Freundin Anette gerechnet.

„Darf ich vorstellen? Meine Schwester Tina“, beeilte sich Silke zu erklären, um den peinlichen Moment zu unterbrechen. Allerdings konnte sie sich ein amüsiertes Grinsen über Tinas verdattertes Gesicht nicht verkneifen, als sich Boerne seinerseits vorstellte, indem er ihre Schwester ganz nach den Regeln der alten Schule mit einem angedeuteten Handkuss begrüßte.
„Professor Karl-Friedrich Boerne. Es ist mir eine Freude, Sie kennenzulernen“, sagte er förmlich. Das verschlug Tina im ersten Moment die Sprache, ehe sie verwirrt entgegnete: „Ja…ich meine…mich auch…freut mich…“
Silke presste die Lippen zusammen, um nicht zu lachen. Es kam selten genug vor, dass jemand ihre Schwester in Verlegenheit bringen konnte.


Ihre Reaktion ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Gerade hatte sich Boerne unter die anderen Gäste gemischt und Silke war in die Küche gegangen, um aus einer Schublade die Streichhölzer zu holen, da wurde sie unverhofft von Tina in eine Ecke gezogen, als müsse sie ihr gerade von einer äußerst brisanten Verschwörung erzählen.
„Wo um alles in der Welt hast du den denn her?“, fragte sie aufgeregt.
„Das ist mein Chef“, entgegnete Silke gelassen und beobachtete amüsiert, wie Tinas Augen immer größer wurden.
Das ist dein Chef?“ Sie spähte kurz ins Wohnzimmer hinüber, wo sich Boerne gerade mit den anderen bekanntmachte. „Ich hab‘ ihn mir ganz anders vorgestellt.“
„Wie denn?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung.“


Silke runzelte leicht die Stirn. Sie konnte sich nicht daran erinnern, ihrer Schwester je viel über Boerne erzählt zu haben. Für gewöhnlich hatten sie andere Gesprächsthemen als ihrer Arbeit, denn Tina gehörte zu den Leuten, denen tote Menschen stets unheimlich waren.
Silke beschloss daher ihre Bemerkung zu übergehen und drückte Tina stattdessen die Streichholzschachtel in die Hand.
„Du benimmst dich anständig, hast du mich verstanden?“
„Wer, ich?“ Tina grinste scheinheilig und Silke schüttelte nur seufzend den Kopf, ehe sie sich wieder der Suppe widmete, bevor diese womöglich verkochte.
Das konnte ja heiter werden.


****
Einige Tage später würde Silke sich fragen, ob nicht im Gehirn ihrer Schwester schon in diesem Augenblick ein ausgefuchster Plan gearbeitet hatte. Der Abend verlief zumindest zunächst perfekt und das Essen schmeckte ausgezeichnet, da musste sich Silke selbst loben.
Besonders überrascht war sie aber darüber, wie mühelos sich Boerne in die Runde einfügte. Sie wusste, dass ihre Freunde nicht unbedingt zu der Gesellschaftsklasse zählten, in der er sich für gewöhnlich bewegte. Hin und wieder musste sie schlucken, wenn einer von ihnen sich nicht zügeln konnte, einen ordinären Spruch von sich zu geben. Aber entgegen ihrer Befürchtungen, konnte ihr Chef diesen Humor offenbar teilen.


Während sie so am Tisch saß und Boerne beobachtete, wie er ohne jede Zurückhaltung mit den anderen plauderte, fragte sie sich, ob dies nicht vielleicht einer der wenigen Momente war, wenn eine Seite an ihm zum Vorschein kam, die er oft so beharrlich zu verbergen versuchte; völlig ungezwungen, an keinen Schein gebunden, den er krampfhaft aufrecht erhalten musste, um sich anderen gegenüber zu behaupten. Sie kannte ihn lange genug, um zu wissen, dass seine oft so nervtötende Überheblichkeit und seine Unnahbarkeit nichts weiter als ein Schutzmechanismus war. Er glaubte nur akzeptiert zu werden, wenn er sich ständig profilieren konnte. Dabei ging der Mensch verloren, der ebenso den Rückhalt derjenigen brauchte, denen er vertrauen konnte. Vor zwei Tagen war sie noch unsicher gewesen, ob sie ihm mit dieser Einladung nicht zu nahe getreten war. Nun war sie sich sicher, dass sie keine bessere Entscheidung hätte treffen können.
Welche Folgen diese Entscheidung aber noch haben würde, sollte sie erst noch erfahren. Sie war bereits auf dem Weg zur Toilette, als plötzlich ihre Schwester zu ihr stieß und eilig die Tür hinter ihnen schloss.

Silke sah sie irritiert an.
„Ich weiß ja, dass Frauen bekanntlich zu zweit aufs Klo gehen, aber findest du nicht, dass du‘s grade ein bißchen übertreibst?“
Darauf ging Tina nicht ein. Stattdessen bemerkte Silke ihren ungewöhnlich ernsten Gesichtsausdruck.
„Wie lange arbeitest du eigentlich schon mit ihm zusammen?“
Silke – verwirrt über diese völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Frage – zog überrascht die Augenbrauen nach oben, entgegnete aber nach kurzem Überlegen: „Sicher schon gut zwölf Jahre, wieso fragst du?“
Tinas Blick hatte etwas Zweifelndes. „Du willst mir erzählen, du arbeitest seit zwölf Jahren mit diesem Mann zusammen und da ist nie etwas zwischen euch gelaufen?“ 

Silke merkte, wie sich augenblicklich etwas in ihr zusammenzog. Diese Frage traf sie völlig unvorbereitet. Aber das Schlimmste daran war, dass ihre Schwester so verdammt ernst wirkte. Es war so praktisch unmöglich einer Antwort zu entgehen.

Dennoch versuchte sie auszuweichen: „Tina, lass den Blödsinn. Ich kann sehr gut zwischen Beruf und Privatleben trennen.“
Ihre Schwester lachte trocken. „Ja, das sieht man. Hast du ihn deswegen eingeladen?“
Ärgerlich musste Silke feststellen, wie leicht Tina ihre dünne Argumentation entkräften konnte und sie versäumte es auch nicht hinzuzufügen: „Und woher willst du wissen, dass er das genauso sieht? Der steht auf dich, das sieht sogar ein Blinder.“

Jetzt konnte Silke nicht mehr verhindern, dass ihr das Blut ins Gesicht schoss und im gleichen Moment fühlte sie, wie ihre Ohren glühten, als wäre sie ein zu klein geratener Weihnachtsbaum. Sie hatte Tina stets für ihre direkte Art bewundert, aber jetzt wäre es ihr lieber gewesen, sie hätte nicht das ausgesprochen, vor dem sie selbst so konsequent die Augen verschloss. Sie wusste sehr wohl, wieso sie so selten von ihrer Arbeit sprach. Die erste Reaktion des Freundes- und Familienkreises war stets ein neugieriges Abchecken, ob nicht jeder einigermaßen attraktive männliche Kollege als potentieller Liebhaber in Frage kam. Aber Silke wusste schon von zu vielen Beziehungen, die zerbrochen waren, weil sich Beruf und Privates miteinander vermischten und sie wollte nicht, dass derartige Probleme am Ende dafür verantwortlich waren, dass ihre Freundschaft zu Boerne kaputtging.

„Das ist nicht so einfach“, wich sie ihr daher aus, aber Tina blieb unnachgiebig.
„Doch, so einfach ist das! Entweder du schnappst ihn dir endlich, oder ich tu’s!“
Damit ließ sie Silke einfach stehen, die ihr mit offenem Mund hinterher starrte.


****

Im Verlauf des weiteren Abends wurde Silke ein mulmiges Gefühl einfach nicht mehr los. Ständig kreisten ihre Gedanken nur um einen einzigen Satz: Der steht auf dich, das sieht sogar ein Blinder. Plötzlich hatte sie jedes Mal das Gefühl, dass ihr Gesicht knallrot anlief, wenn sie Boernes Blick begegnete und sie begann hinter jedem angedeutetem Lächeln, das er ihr zuwarf mehr zu sehen, als sie sich zuvor je eingestanden hatte. Ein Blinder, war sie das? Hatte sie nicht all die Jahre Scheuklappen getragen, um der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen zu müssen? Ihr Verhältnis baute auf tiefem Respekt voreinander auf. Das war vielleicht nicht für jeden Außenstehenden offensichtlich, aber sie wusste das und Boerne wusste es auch; das genügte. Trotzdem hatte sie nie zu denken gewagt, dass daraus mehr werden könnte. Trotz Boernes manchmal schwieriger Egozentrik, besaß er Frauen gegenüber einen nicht zu leugnenden Charme. Er konnte jede haben, wieso sollte er also ausgerechnet Gefühle für eine kleinwüchsige Assistentin haben, die so gar nicht seiner Gesellschaftsklasse entsprach? Hätte sie sich darüber schon früher Gedanken gemacht, hätte die enttäuschte Hoffnung nur zu sehr wehgetan, also hatte sie es hingenommen wie es war. Sie kam also zu dem Schluss, dass sie Tinas Worte einfach ignorieren und sich den Abend nicht verderben lassen durfte. Wenn Weihnachten vorbei war, würde alles wieder zur Normalität zurückkehren.

Nach dem Essen halfen alle mit, das Geschirr zurück in die Küche zu tragen. Silke musterte leise seufzend den Berg an Arbeit, der sich auf dem Tisch und der Seitenablage auftürmte und den sie morgen in Angriff nehmen musste. Glücklicherweise würde ihr die Spülmaschine einen Großteil davon abnehmen. Jetzt wollte sie erst noch den Rest des Abends genießen.

Als sie hinter sich Schritte und klapperndes Geschirr hörte, wandte sie sich um und staunte nicht schlecht, als sie Boerne in der Küchentür bemerkte, der sich etwas unsicher umblickte, wo er seine Fracht abstellen sollte.
„Stellen Sie es einfach irgendwohin, wo noch Platz ist. Ich kümmere mich später drum“, erklärte sie ruhig. Er entdeckte zwischen den Tellerstapeln noch eine einigermaßen freie Stelle und platzierte dorthin vorsichtig ein paar Kaffeetassen.

„Danke“, bemerkte Silke zufrieden.
Ich habe zu danken“, gab Boerne stattdessen zurück. „Sie haben mir gar nie verraten, dass Sie so eine formidable Köchin sind.“
Silke lächelte etwas verlegen, bemühte sich aber dieses unerwartete Kompliment mit Gelassenheit aufzunehmen. „Naja…so hat jeder seine Geheimnisse, nicht?“


Autsch! Silke hätte sich für diese Bemerkung am liebsten geohrfeigt. Zum Glück schallte in diesem Augenblick ausgelassenes Gelächter aus dem Wohnzimmer zu ihnen herüber. Offenbar musste jemand einen besonders amüsanten Witz gerissen haben. So hatte Silke die Möglichkeit, sich einen Moment abzuwenden und diese Gelegenheit nutzten sie beide, um kommentarlos über ihren patzigen Satz hinwegzugehen.
„Nun, Zwerge sind ja bekanntlich gefürchtete Zauberer der Küche“, fügte Boerne hinzu. Zwar versuchte Silke ihm dafür einen beleidigten Blick zukommen zu lassen, aber es gelang ihr nicht ein Lachen zu unterdrücken, als sie sein spitzbübisches Grinsen bemerkte.


Wieder schien eine Welle der Erheiterung durch die anwesenden Gäste zu gehen und allmählich wurde Silke misstrauisch, was sich dort drüben abspielte. Ohne ein weiteres Wort ging sie hinüber und fand eine äußerst amüsierte Truppe in ihrem Wohnzimmer vor.
„Was ist denn hier los?“
Ihre noch so unbedarfte Frage wurde schon gleich darauf von Tinas breitem Grinsen beantwortet. Im gleichen Moment durchfuhr Silke ein Schreck und das obwohl sie nicht mal aufzusehen brauchte, um zu wissen, was ihre Schwester ausgeheckt hatte. Für eine Reaktion war es allerdings schon zu spät.


„Mistelzweig!“, riefen alle, wie aus einem Munde und Silke musste sich nicht umdrehen, um zu ahnen, wer in diesem Augenblick neben sie getreten war.
Sie sah, wie Boernes überraschter Blick zu dem verräterischen, grünen Schmarotzergewächs über ihnen wanderte, das definitiv vor fünf Minuten noch nicht da gehangen hatte.
Silke warf ihrer Schwester einen vorwurfsvollen Blick zu, die aber nur scheinheilig schmunzelte.

„Los, ihr müsst euch küssen“, rief Pia aufgeregt. „So verlangt es die Tradition.“
Wie es schien, war das alles ein abgekartetes Spiel. Damit hätte Silke eigentlich rechnen müssen. Ihre Freunde waren noch nie um freche Tricks verlegen gewesen.

In Silkes Kopf machten die Gedanken Purzelbäume, so angestrengt dachte sie darüber nach, wie sie dieser peinlichen Situation entkommen konnte. Doch als sie plötzlich registrierte, wie Boerne neben ihr auf die Knie ging, da landeten diese Gedanken mit einem unschönen Bauchklatscher auf dem Boden und rührten sich nicht mehr. Stattdessen fing ihr Herz zu rasen an, als sie sich nur langsam traute ihm ins Gesicht zu sehen. Sie war so nervös, dass sie nicht einmal mehr in der Lage war den Ausdruck in seinen Augen zu deuten.
„So verlangt es die Tradition“, hörte sie ihn sagen, als sei dies ein Urteil, dem sie nicht mehr entrinnen konnte. Es schien, als wolle er grinsen, um den Anschein zu erwecken, er spiele nur mit. Doch die anderen konnten nicht sehen, dass diesem heiteren Ausdruck schnell eine tiefe Ernsthaftigkeit in seinem Blick folgte. Und im gleichen Moment wusste Silke, dass dies kein flüchtiger Wangenkuss werden würde, um die anderen zufrieden zu stellen.


Sie wollte noch etwas erwidern, doch sie brachte keinen Ton heraus. Als sie spürte, wie er sie vorsichtig an sich zog und sie küsste, da waren mit einem Mal alle Bedenken wie weggeblasen. Sie schloss die Augen und ließ die Dinge ihren Lauf nehmen. Es fühlte sich einfach richtig an, sich auf diesen Kuss einzulassen und ihn zu erwidern. All die Sorgen und Unentschlossenheiten wirkten mit einem Mal ganz weit weg. Für diesen kurzen Augenblick sah sie die Dinge erstaunlich klar.

Dass ihre Freunde klatschten und pfiffen hörte sie erst, als sie sich wieder von ihm löste, doch sie registrierte es kaum. Sie sah nur wie für einen winzigen Augenblick ein Leuchten in Boernes Augen lag, wie sie es noch nie zuvor bei ihm gesehen hatte. Doch dieser kurze, glückliche Moment wich viel zu schnell einem Schatten, der sich über diese Augen legte. Einem Schatten, von dem Silke wusste, dass es Traurigkeit war.

Sie bekam keine Gelegenheit mehr darauf zu reagieren. Ohne ein weiteres Wort wandte Boerne sich ab und richtete sich wieder auf. Die anderen schienen damit äußerst zufrieden und erheitert zu sein. Es war offensichtlich, dass sie das alles nicht sonderlich ernst nahmen. Silke aber verharrte wie erstarrt.
Boerne hatte es nie gewagt ihr zu sagen, was er für sie fühlte. Jetzt wusste sie es.

****
Zu fortgeschrittener Stunde verabschiedeten sich die Gäste nach und nach. Für sie war der Kuss unter dem Mistelzweig nicht mehr, als ein weiterer unterhaltsamer Punkt des Abends gewesen. Auch andere hatten sich einen Spaß daraus gemacht, sich unter dem Türrahmen einen innigen Kuss zu geben. Sie sahen es als ein Spiel an, doch Silke wusste, dass ihre Schwester den Zweig mit berechnender Absicht so platziert hatte.
Tina war es auch, die erstaunlich früh ins Bett wollte. Silkes kleines Reihenhaus in der Rheingoldstraße war leider nicht sehr geräumig und verfügte über kein Gästezimmer, weshalb ihre Schwester ein Zimmer in einer Pension bezogen hatte. Sie versprach, gleich am nächsten Morgen wieder zu kommen und ihr beim Aufräumen zu helfen.
Schon bald erkannte Silke den wahren Grund für ihre ungewöhnliche Aufbruchsstimmung. Sie fädelte alles so geschickt ein, dass es schlussendlich Boerne war, der als letzter der Gäste übrig blieb.


Als Silke gerade eine heruntergebrannte Kerze ausblies, um zu verhindern, dass sie den darunterliegenden Tannenzweig in Brand setzte, trat er neben sie und meinte: „Ich habe da noch etwas für Sie.“
Sie kannte ihn inzwischen lange genug, um an seinem Tonfall zu erkennen, dass er erst sehr viel Mut zusammengenommen hatte, bevor er diesen Satz ausgesprochen hatte. Und sie beobachtete, wie er eine kleine blaue Schachtel hervorzog, um die kunstvoll ein goldenes Band geschnürt war. Silke musterte sie zunächst überrascht und lächelte dann gerührt.
„Ach, Chef, das war doch nicht nötig. Sie haben doch schon den Wein…“
„Der Wein war für diese Einladung, für die ich mich im Übrigen nochmal sehr bedanken möchte. Dashier…“ Er streckte ihr die kleine Schachtel entgegen. „…ist für den Fliegenden Holländer, den ich vorgestern zufällig in der untersten Schublade meines Schreibtisches gefunden habe.“


Als Silke die Schachtel entgegennahm, konnte sie sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Sie hatte die Platte zufällig im Sortiment eines Weihnachtsmarktstandes entdeckt und sich kurzerhand entschlossen sie zu kaufen. Als leidenschaftlicher Wagnerianer gab es für Boerne sicher kein schöneres Geschenk. Doch weil sie nicht wusste, wie er auf diese weihnachtliche Gabe reagieren würde, hatte sie beschlossen, die Überraschung so zu platzieren, dass er sie erst finden würde, wenn sie bereits das Institut verlassen hatte.
Sie hatte nicht damit gerechnet, dass er sich dafür revanchieren würde. Eigentlich bekam sie zu Weihnachten nur noch sehr wenige Geschenke, denn mit ihren Freunden hatte sie die Vereinbarung getroffen, dass es bei einem Abendessen blieb. Nun aber fühlte sie wieder eine fast kindliche Euphorie als sie die Schachtel in den Händen hielt und so setzte sie sich eilig auf das Sofa und begann neugierig die Schleife aufzuziehen.

Es könnten Pralinen sein, dachte sie, während sie noch die Form des Geschenks begutachtete. Allerdings bezweifelte sie das, denn bei ein paar Süßwaren hätte Boerne sicher nicht so lange gezögert, bis er es ihr gegeben hätte.

Als sie schließlich das Band entfernt hatte und gespannt den Deckel abhob, merkte sie, wie ihre Augen vor Staunen immer größer wurden.
„Was ist? Gefällt es Ihnen nicht?“, hakte Boerne eilig nach, als sie lange nichts sagte. Er hatte sich neben sie gesetzt und beobachtete ihre Reaktion offenbar mit Unbehagen.
„Doch, natürlich!“, widersprach Silke sofort, ehe sie erneut auf ihr Geschenk blickte und es noch immer nicht so richtig glauben konnte.


Im gedämpften Licht der elektrischen Christbaumkerzen schimmerte der weiße Schmuckstein geheimnisvoll. Er war in den kunstvoll geschwungenen Silberanhänger eingelassen, der an der dazu passenden Kette hing. Nichts an diesem Schmuckstück war protzig und aufdringlich. Es war genau die Kette, die sie schon mehrmals betrachtet hatte, wenn sie am Schaufenster des Juweliers vorbeigeschlendert war, und in die sie sich von Anfang an verliebt hatte.

„Woher wussten Sie, dass mir genau diese Kette gefällt?“, fragte Silke überrascht.
Boerne zuckte unschuldig mit den Schultern. „Darf ein Mann nicht auch mal eine gute Intuition haben?“
Sie fuhr andächtig mit dem Finger über den Anhänger. Sie war wirklich wunderschön! Aber sie fühlte, wie bereits das schlechte Gewissen in ihr nagte. Sie hatte gesehen, was dieses Schmuckstück gekostet hatte. Das konnte sie unmöglich von ihm annehmen.


„Darf ich?“
Er definierte seine Frage nicht näher, aber Silke wusste sofort was er meinte. Sie nickte beklommen und verbannte damit ihren gerade noch gefassten Vorsatz.
Vorsichtig, als wäre es ein besonders zerbrechliches Objekt, nahm Boerne die Kette aus dem Schächtelchen und Silke schob ihre Haare etwas nach oben, damit er das Schmuckstück problemlos um ihren Hals legen konnte. Für einen kurzen Augenblick hatte sie das Gefühl ihm so nahe zu sein; sie spürte seinen Atem, als er sich ein kleines Stück nach vorne lehnte, um die Kette zu schließen und ganz kurz nur berührten seine warmen Finger ihren Nacken und das schien sie zu elektrisieren.


Sie sagte keinen Ton. Der Moment verging und als Boerne sich wieder zurücklehnte, sah sie wie er zufrieden lächelte.
„Sie steht Ihnen wirklich sehr gut.“
Silke wandte sich kurz zu einem Spiegel an der gegenüberliegenden Wand um. Zwar war dieser ein gutes Stück weg, doch selbst aus dieser Entfernung erkannte sie, dass er Recht hatte.


Aber es war viel mehr als das. Egal wie selbstverständlich Boerne Geld ausgab, um exquisite Dinge zu kaufen oder wie sehr es ihm sein Anstand befahl, sich für Gefälligkeiten erkenntlich zu zeigen, Silke wusste, dass dieses Geschenk etwas Besonderes war. Sie sah sich selbst im Spiegel an und ihr war klar, dass an dieser Kette weit mehr hing als ein silberner Anhänger. Es war ihr fast ein wenig unheimlich, wie klar sie die Dinge nun plötzlich sah, doch ihr Verstand war noch nicht so weit eine vernünftige Reaktion zu soufflieren.

„Ich…“, begann sie, verstummte aber augenblicklich, als sie sah wie Boerne ernst den Kopf schüttelte.
„Sie müssen jetzt nichts sagen.“ Er holte tief Luft und rang sich zu einem Lächeln durch, von dem Silke sofort erkannte, wie ehrlich es war.
„Das war der schönste Abend, den ich seit langem hatte. Fast hätte ich vergessen, was Weihnachten eigentlich bedeutet; was es mir bedeutet. Aber es ist sicher das Beste für uns beide, wenn wir einfach so tun, als wäre nichts passiert.“


Silke fühlte, wie sich in ihrer Brust etwas schmerzhaft zusammenzog, als seine Worte langsam zu ihr durchdrangen. Sie beobachtete, wie er mühsam schluckte und da erkannte sie, wie sehr er sich mit dieser Aussage gerade selbst wehgetan hatte.
Egal wie sehr sich Silke bemühte sich vorzustellen, dass nach den Feiertagen alles wieder werden würde wie früher, egal wie sehr sie sich einredete, dass nichts von alledem was heute Abend passiert war, Auswirkungen auf ihre Zusammenarbeit mit ihm haben musste, es gelang ihr nicht das zu überwinden, was sie wirklich fühlte.

Sie glaubte bereits, dass ihre Stimme endgültig versagen würde, aber als sich Boerne plötzlich abwandte und aufstehen wollte, reagierte sie instinktiv und hielt ihn fest.

Überrascht von dieser Reaktion erstarrte er in jeglicher Bewegung und sah sie verwundert an.
„Das kann ich nicht“, entgegnete Silke schließlich und ihre Stimme klang so heiser, dass sie sich kurz räuspern musste. Sie hielt noch immer seine Hand fest und fühlte, dass er zitterte; und das ganz sicher nicht, weil es hier drinnen kalt gewesen wäre.
„Und das will ich auch nicht“, fügte sie schließlich mit absoluter Entschlossenheit hinzu.

Verblüfft ließ sich Boerne auf das Sofa zurücksinken und schwieg einen Moment lang. Er konnte ihr unmöglich vormachen, dass er wirklich so naiv gewesen war zu glauben, sie könnten das alles einfach so vergessen. Wenn sie jetzt den Ausdruck in seinen Augen erkannte, mit dem er sie lange ansah und wenn sie die Wärme spürte, als er seine Hand vorsichtig aus ihrem Griff wand, um sie ihr liebevoll an die Wange zu legen, wusste sie, dass sie dazu beide nicht fähig waren.

„Ist dir eigentlich klar, worauf du dich da einlässt?“, fragte er leise.
Silke ließ sich Zeit mit einer Antwort. Nicht, weil sie unsicher gewesen wäre, sondern weil sie verdeutlichen wollte, dass sie ihre Entscheidung nicht überhastet und unbedacht getroffen hatte.
„Ich war mir in meinem ganzen Leben noch nie so sicher.“


Da war es wieder, dieses Leuchten in seinen Augen, das sich nun unmissverständlich Bahn brach. Es passte so viel besser zu ihm, als jeglicher Schatten, der sich darüber legen konnte. Doch Silke hatte nur einen kurzen Moment Zeit es zu betrachten, denn als sie erkannte, wie er sich zu ihr beugte, da schloss sie die Augen und erwiderte seinen leidenschaftlichen Kuss.
Und ihr letzter Gedanke war, dass sie noch nie so froh gewesen war, dass ihre Schwester Recht behalten hatte.


ENDE

jolli87 [userpic]

Episodenvideo: "Die chinesische Prinzessin"

October 29th, 2013 (07:38 pm)
drained

current mood: drained

Die Folge lässt mir keine Ruhe. Leider war mein Videoprogramm nicht mit allen Funktionen ausgestattet, die ich gerne gehabt hätte, um das Video so zu gestalten, wie ich es eigentlich gerne gehabt hätte. Ich habe auch mit noch mehr Zitaten gespielt, sie dann aber wieder gelöscht....kurz gesagt: jetzt habt ihr den Salat *g*

Musik: Two steps from hell - Love and Loss

jolli87 [userpic]

Fanfiction: Westfälischer Krieg - Kapitel 4: Ohne Rückendeckung

October 18th, 2013 (03:22 pm)
crazy

current mood: crazy

Short-Cut: Ein blutiger Mord, ein schwerwiegender Verdacht und jede Menge offene Fragen. Frank Thiel wird mit einem schweren Fall konfrontiert: ausgerechnet Boerne steht unter dem Verdacht, eine Frau brutal ermordet zu haben, doch der Rechtsmediziner ist spurlos verschwunden. Noch dazu werden dem Hauptkommissar aus der Führungsetage immer wieder Steine in den Weg gelegt. Inwieweit ist die Staatsanwaltschaft in den Fall involviert?
Hin und hergerissen zwischen seiner Freundschaft zu Boerne und seinen Pflichten als Ermittler, versucht Thiel nicht nur, nach Kräften Licht in diesen ominösen Fall zu bringen, er muss sich auch mit einem Stück Münsteraner Stadtgeschichte herumschlagen, die ihm vielleicht hilft, den wahren Mörder zu finden.

Fandom: Tatort Münster
Kategorie: Krimi, Drama, Freundschaft
Rating: PG-16
Anmerkung: Ein ganz großes Dankeschön an
cricri_72 fürs Betalesen!!!

[OHNE RÜCKENDECKUNG]
Keine halbe Stunde später hatte Thiel sein Fahrrad vor dem Justizgebäude in der Gerichtsstraße abgestellt und eilte die Treppe nach oben in den ersten Stock. Noch während er den altbekannten Weg zum Büro von Staatsanwältin Klemm einschlug, zog er sein Handy heraus und wählte Nadeshdas Nummer. Es dauert nicht lange, bis sie sich meldete.
„Gibt’s schon ‘was Neues?“
„Bis jetzt noch nicht, Chef.“
Eigentlich hätte er sich diese Frage sparen können. Wenn seine Assistentin irgendetwas über den Aufenthaltsort des Rechtsmediziners erfahren hätte, hätte sie ihn sofort verständigt.


„Ich bin unterwegs zur Klemm. Finden Sie in der Zwischenzeit heraus, wohin man den Leichnam von Lisa Neumann gebracht hat. Und dann versuchen Sie doch noch bitte, mehr über diese Frau in Erfahrung zu bringen. Ich möchte alles wissen, auch über ihre Zeit, bevor sie hierher gezogen ist.“
„Alles klar, Chef. Mach ich.“ Obwohl er nur mit ihr telefonierte, sah er vor seinem geistigen Auge, wie Nadeshda in gewohnter Routine Stichwörter auf einen Notizblock kritzelte.
„Und wenn irgendjemand fragen sollte…“
„…Sie sind im Urlaub und ich arbeite alten Papierkram durch.“

Thiel grinste und wusste, dass auch auf den Lippen seiner Assistentin ein Schmunzeln liegen musste. Sie arbeiteten lange genug zusammen, um die Gedankengänge des anderen zu durchschauen. Damals hatte Thiel sehr schnell erkannt, welches Potential in dieser jungen Frau steckte. Sie war zwar noch unerfahren gewesen und hatte in jugendlichem Leichtsinn den ein oder anderen Fehler gemacht, doch sie war auch ehrgeizig und intelligent. Von Anfang an wollte sie nie in die Schublade eines russischen Migrantenkindes gesteckt werden. Und dann war plötzlich aus der zunächst so zurückhaltenden Praktikantin, auf die Thiel noch mit fast väterlicher Wachsamkeit Acht gegeben hatte, eine selbstbewusste, clevere Kommissarin geworden.


Nachdem Thiel das Gespräch beendet hatte, hatte er sein Ziel beinahe erreicht. An der Tür mit dem Schild. Dr. jur. W. Klemm blieb er stehen, holte nochmal tief Luft, ehe er mit beherzter Überzeugung klopfte. Die Sekunden, in denen er teils nervös, teils erwartungsvoll verharrte, vergingen recht schnell, doch er bekam keine Reaktion, auch nicht, als er es ein zweites Mal versuchte. Verwirrt runzelte Thiel die Stirn und beschloss dann selbst die Initiative zu ergreifen, indem er die Türklinke hinunter drückte.
Doch das Büro war verschlossen.


„Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“
Thiel wandte sich überrascht um und wechselte einen kurzen Blick mit dem hageren Mann, der ihn mit seinen mattgrünen Augen durch die Brillengläser fixierte. Sein grauer Anzug saß perfekt, genauso wie das kurze, dunkelblonde Haar, das leicht nach hinten gekämmt war. Thiel schätzte ihn auf Ende 40, auch wenn sein Gesicht sehr schmal und dadurch etwas ungesund wirkte. Im Gegensatz zu Wilhelmine Klemm, deren Raucherstimme markant tief und rau klang, hatte dieser Mann eine ungewöhnlich helle, ja fast weibliche Stimme.

„Ich suche Staatsanwältin Klemm“, antwortete Thiel wahrheitsgemäß.
„Oh das tut mir leid. Frau Dr. Klemm ist heute Morgen zu einem mehrtägigen Symposion nach Berlin gefahren.“

Das brachte Thiel etwas aus dem Konzept. Er hatte sich auf dem Weg hierher bereits einige Sätze zurechtgelegt, mit denen er die Staatsanwältin für seine Ansichten gewinnen wollte. Wilhelmine Klemm war ein harter Knochen, das hatte Thiel schon vom ersten Tag an gemerkt, als er hierher nach Münster gekommen war. Doch im Laufe der Jahre hatte er erkannt, dass auch die Staatsanwältin einen weichen Kern besaß, an den man appellieren konnte. Sie gab ihm immer wieder zu verstehen, dass sie großes Vertrauen in seine Fähigkeiten setzte. Das gab ihm das nötige Selbstbewusstsein, ihr hin und wieder die Stirn zu bieten. Genau wie Boerne war auch sie ein Kind dieser Stadt und in gesellschaftliche Kreise involviert, um die Thiel lieber einen Bogen machte. Doch manchmal ließen ihm seine Ermittlungen keine andere Wahl, dann musste er sich gegen die pietätvolle Zurückhaltung seiner Vorgesetzten zur Wehr setzen.


„Vielleicht kann ich Ihnen ja weiterhelfen“, fuhr der Mann fort, der Thiels Verunsicherung offenbar erkannt hatte. Er trat mit einem höflichen Lächeln auf ihn zu und streckte ihm seine Hand entgegen. „Dr. Bernhard Winkelmann ist mein Name. Ich vertrete Frau Klemm während ihrer Abwesenheit.“
Noch während Thiel diese Information verarbeitete, wurde ihm plötzlich klar, wie unhöflich sein Zögern wirkte, also schüttelte er die angebotene Hand des Mannes. Trotzdem kam er nicht umhin sich zu vergegenwärtigen, dass es dieser Mann gewesen sein musste, der Tobias die Anweisungen erteilt hatte. Das konnte durchaus zum Problem werden. Thiel kannte Winkelmann nicht und konnte nicht wie bei der Klemm sein Wissen über seine Persönlichkeit nutzen, um eine Strategie zu entwickeln, mit der der Staatsanwalt zu überzeugen war.

„Hauptkommissar Frank Thiel“, stellte er sich vor. „Es geht um den Fall der ermordeten Lisa Neumann.“ Instinktiv beobachtete er die Reaktion seines Gegenübers, so wie er gelernt hatte die Gedanken eines Menschen zu erahnen, den er im Zuge seiner Ermittlungen befragte. Ein unbewusstes Zucken der Augen oder der Mundwinkel verriet oft mehr als alle Worte.
Winkelmanns Miene blieb jedoch unverändert, stattdessen machte er nur eine einladende Geste und entgegnete: „Möchten wir dazu nicht lieber in mein Büro gehen?“


Thiel folgte dem schlanken Juristen einige Meter den Gang hinunter, ehe dieser ihm den Vortritt in ein geräumiges Arbeitszimmer ließ. Die saubergeputzte Fensterfront ermöglichte es der warmen Mittagssonne ausreichend Licht in den beige tapezierten Raum zu werfen. Direkt neben dem wuchtigen Eichenholzschreibtisch stand eine saftig grüne Yucca-Palme, während die gegenüberliegende Wand ganz von einem Gemälde beansprucht wurde, das eine Landschaft in ungewöhnlich grellen Farben wiedergab. Als Dank für einen großzügigen Menschen, war in den schlichten schwarzen Rahmen eingraviert worden.

„Setzen Sie sich doch“, forderte ihn Winkelmann höflich auf und Thiel setzte sich in einen gut gepolsterten Besucherstuhl. Winkelmann bot ihm Kaffee an, den Thiel jedoch ablehnte. Er wollte so schnell wie möglich zum Punkt kommen und wartete voller Ungeduld, bis sich der andere Mann ebenfalls gesetzt hatte.
„Also, was kann ich für Sie tun?“, begann Winkelmann den Faden wieder aufzugreifen. Thiel zögerte nicht. Ohne um den heißen Brei herumzureden trug er ihm sein Anliegen vor: „Ich möchte den Fall Lisa Neumann übernehmen.“


Wenn er ihm gegenüber in dieser Hinsicht Antipathien hegte, ließ es sich Winkelmann zumindest nicht anmerken. Stattdessen schien er fast überrascht von dieser Antwort zu sein und zog vielsagend die Augenbrauen nach oben.
„Man sagte mir, Sie wären im Urlaub. Der Fall wurde bereits Herrn Oberkommissar Köster zugewiesen.“
„Ja, ich weiß. Aber die Lage hat sich geändert. Ich möchte die Ermittlungen gern übernehmen.“

Winkelmann ließ sich in die Lehne zurückfallen und atmete hörbar aus. Es war schwer zu sagen, ob seine Verwirrung nur gespielt war, zumindest schien er aber nicht von vornherein auf Ablehnungshaltung zu gehen. Das hielt Thiel für ein gutes Zeichen.

„Ich kann ihren Wunsch nicht ganz nachvollziehen, Herr Thiel. Haben Sie Zweifel an der Kompetenz des Kollegen Köster?“
„Nein, natürlich nicht!“
„Wieso beharren Sie dann darauf, ihn von dem Fall zu entbinden?“
Das war eine gefährliche Retourkutsche, auf die Thiel bedacht antworten musste. Ein falsches Wort konnte seinem Kollegen durchaus Steine in seine berufliche Zukunft legen.
„Es hat nichts mit dem Herrn Oberkommissar zu tun. Ich halte dies für einen sehr schwierigen Fall, der das Mitwirken der gesamten Abteilung notwendig macht.“


Winkelmann reckte nachdenklich das Kinn in die Höhe und schwieg einen Augenblick. In seiner rechten Hand drehte er beiläufig einen schwarzen Füllfederhalter, als helfe ihm diese unbewusste Geste beim Abwägen der Situation. Thiel machte diese unruhige Bewegung jedoch nervös.
„Nun, Herr Thiel. Sie wissen sicher, dass mir eine solche Entscheidung nicht sonderlich behagt. Wie lange arbeiten Sie nun schon für uns? Zehn Jahre?“
Thiel nickte bestätigend.
„Ich habe mir viele Ihrer Ermittlungsakten angesehen. Sie haben eine hervorragende Aufklärungsquote, auch Dank der Unterstützung Ihres Teams und der Zusammenarbeit mit Professor Boerne. Sie schätzen seine Kompetenz als Rechtsmediziner?“
„Selbstverständlich.“
„Und es ist doch korrekt, dass er seit jeher Ihr Vermieter ist und Sie Tür an Tür mit ihm wohnen, oder?“
Schlagartig wurde Thiel bewusst, dass das kein Gespräch sondern ein Verhör war.
„Ja, das stimmt, aber…“
„Dann würden Sie ihr Verhältnis durchaus als freundschaftlich bezeichnen, oder liege ich da falsch?“
Thiel fühlte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. „Nein, natürlich sind wir auch befreundet, aber…“
„Dann sollte Ihnen doch klar sein, dass ich Ihnen die Leitung in diesen Ermittlungen unmöglich übergeben kann, ohne die Befürchtung haben zu müssen, dass Ihre Ansätze nicht ganz objektiv sind.“


Thiel war verärgert darüber, dass Winkelmann ihm nicht mal die Chance gab, seinen Standpunkt ausführlich zu erklären. Der Mann fiel ihm so schneidend ins Wort, als wäre er ein kleiner Schuljunge, der vom Rektor wegen Ungezogenheit getadelt wurde. Anscheinend hatte sich der Staatsanwalt seine Meinung schon gebildet, doch so leicht gab sich Thiel nicht geschlagen.

„Wenn Sie meine Ermittlungsakten tatsächlich gelesen haben, dann wüssten Sie, dass diese Befürchtung unbegründet ist. Ich habe die letzten zehn Jahre hervorragend mit Boerne auf professioneller Ebene zusammengearbeitet und genau auf dieser Ebene werde ich meine Ermittlungen auch führen. Sie wollen diesen Fall lösen? Dann lassen Sie mich diese Arbeit unterstützen.“
Thiel merkte, dass ihm das Herz vor Aufregung bis zum Hals schlug, auch als er sah, dass Winkelmann prüfend die Augen verengte. Der Staatsanwalt sagte lange nichts. Thiel konnte in seinem Gesicht unmöglich erkennen, ob er ihn überzeugt hatte oder nicht. Er hasste es, so vor diesem Mann zu Kreuze kriechen zu müssen, doch er war sich sicher, keine ruhige Minute mehr zu finden, solange er nicht alles versucht hatte.

„Also schön.“ Winkelmann nickte wohlwollend. „Sie bekommen Ihre Chance. Ich werde veranlassen, dass man Ihnen alle Informationen zu den Ermittlungen zukommen lässt und Sie können sich gerne in alle Arbeiten einbringen. Doch die Leitung wird nach wie vor bei Oberkommissar Köster bleiben.“
Wahrscheinlich bildete er sich jetzt auch noch etwas auf diesen salomonischen Kompromiss ein, doch Thiel vermied es, weitere Forderungen zu stellen. Zumindest grenzte Winkelmann ihn nicht mehr völlig aus und dafür konnte er es auch verschmerzen in diesem Fall seine leitenden Ermittlungsbefugnisse an Tobias abzutreten. Bisher hatten sie immer sehr gut zusammengearbeitet. Er nickte daher erleichtert und dankbar.


Dennoch beschloss Thiel in diesem Augenblick, Winkelmann nicht zu mögen. Ihm war dieser Mann suspekt. Obwohl er Höflichkeit und Entgegenkommen signalisierte, haftete ihm ein Hang zur Egozentrik an. Er war sich seiner Machtposition ganz offenbar im Klaren und schien es zu genießen, diese auszunutzen. Thiel bezweifelte, dass er ihn mit seinen Worten vollkommen überzeugt hatte. Stattdessen hatte Winkelmann ihm schlichtweg einen mageren Knochen zugeworfen, damit er fürs erste nicht weiterbellte.
Thiel entschied sich vorsichtig zu sein. Dieser Mann versprach nicht unbedingt eine problemlose Zusammenarbeit.


(tbc)


<---Kapitel 3 ::: Kapitel 5 --->

jolli87 [userpic]

Fanfiction: Westfälischer Krieg - Kapitel 3: Ausgebootet

October 15th, 2013 (10:14 am)
angry

current mood: angry

Short-Cut: Ein blutiger Mord, ein schwerwiegender Verdacht und jede Menge offene Fragen. Frank Thiel wird mit einem schweren Fall konfrontiert: ausgerechnet Boerne steht unter dem Verdacht, eine Frau brutal ermordet zu haben, doch der Rechtsmediziner ist spurlos verschwunden. Noch dazu werden dem Hauptkommissar aus der Führungsetage immer wieder Steine in den Weg gelegt. Inwieweit ist die Staatsanwaltschaft in den Fall involviert?
Hin und hergerissen zwischen seiner Freundschaft zu Boerne und seinen Pflichten als Ermittler, versucht Thiel nicht nur, nach Kräften Licht in diesen ominösen Fall zu bringen, er muss sich auch mit einem Stück Münsteraner Stadtgeschichte herumschlagen, die ihm vielleicht hilft, den wahren Mörder zu finden.

Fandom: Tatort Münster
Kategorie: Krimi, Drama, Freundschaft
Rating: PG-16
Anmerkung: Ein ganz großes Dankeschön an
cricri_72 fürs Betalesen!!!

[AUSGEBOOTET]
Die Tür schoss so schnell auf, dass nur ein beherzter Griff zur Klinke verhindern konnte, dass sie laut gegen die Wand donnerte. Kein Klopfen, kein Zögern. Frank Thiel platzte in das Büro seines Kollegen, ungeachtet dessen, dass sein stürmischer Auftritt einem Luftzug durch das weit geöffnete Fenster die Möglichkeit gab, den Stapel Papier auf dem Schreibtisch durcheinander zu wühlen.

„Komm doch rein“, bemerkte Tobias mit zynischer Gelassenheit, ohne sich davon abhalten zu lassen den Satz zu Ende zu schreiben, den er gerade begonnen hatte. Von dieser fast provozierenden Ruhe ließ sich Thiels Gemüt jedoch keineswegs besänftigen.
„Tobias, wir müssen reden.“ Sein Gegenüber seufzte leise, setzte aber noch in aller Ruhe seine Satzzeichen ohne aufzusehen.
„Gib‘ den Fall an mich ab. Bitte!“

Thiel trug sein Anliegen ohne große Umschweife vor. In der vergangenen Nacht hatte er lange darüber nachgedacht, wie er diese schwierige Situation lösen sollte, ohne seinem Kollegen auf die Füße zu treten. Dem üblichen Prozedere nach hatte man Tobias den Fall zugeteilt, weil er als Urlaubsvertretung vorgesehen war, doch unter diesen Umständen war für Thiel an Urlaub nicht mehr zu denken.
Er war mit Nadeshda stundenlang durch alle erdenklichen Straßen gefahren. Von Boerne fehlte jede Spur. Thiel hatte sogar die absurde Hoffnung gehegt, den Rechtsmediziner unversehrt zu Hause anzutreffen, aber auch dort stieß Thiel nur auf eine leere Wohnung.

Mittlerweile hatte er damit begonnen, sämtliche Szenarien in seinem Kopf durchzuspielen. Was, wenn Boerne den Mörder bei seiner Tat ertappt hatte? Dann hatte er vielleicht noch eine Chance gehabt zu fliehen und unterzutauchen. Doch unter diesen Umständen hätte er sich doch eigentlich melden können, oder? Schlimmer war die Vorstellung, dass der Täter den unerwünschten Zeugen zu beseitigen versucht hatte. Doch angesichts der Brutalität, mit der der Unbekannte die Frau ermordet hatte, wäre es eigenartig, wenn er Boerne nicht auch auf der Stelle aus dem Weg geräumt hätte. Worin konnte der Vorteil in einer Entführung liegen?


Tobias ließ sich lange Zeit mit einer Reaktion, bis er schließlich langsam den Kopf hob und fragte:  „Möchtest du dich nicht setzen?“
Nein, das wollte er nicht! Doch weil er wusste, dass diese Angelegenheit nicht mit ein paar Sätzen geklärt war, gab Thiel nach und zog einen Bürostuhl heran.
„Ich habe es dir heute Nacht schon versucht zu erklären. Der Fall wurde mir zugeteilt.“
„Aber ich hab‘ den Urlaub verschoben!“
Tobias schüttelte fast mitleidig den Kopf. „Darum geht es doch gar nicht.“
„Worum dann?“


Es fiel ihm schwer, seine eigene Anspannung unter Kontrolle zu halten, doch Tobias reagierte mit einer Gegenfrage: „Wie lange kennen wir uns schon, hm?“ Sein Tonfall klang fast beruhigend sanftmütig, doch er wartete nicht auf eine Antwort. „Glaub mir, Frank, ich würde nichts lieber tun, als diesen Fall gemeinsam mit dir zu lösen. Aber ich tue nur, was man mir aufgetragen hat. Mir sind die Hände gebunden. Ich habe Anweisung von ganz oben bekommen, dich aus dieser Sache rauszuhalten.“
In Thiel regte sich der Drang vor Überraschung die Augenbrauen hochzuziehen, doch er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Gerade von Staatsanwältin Klemm hätte er mehr Rückendeckung erwartet.
„Und darf man fragen, wieso?“
Der andere Mann blieb vollkommen ernst. „Kannst du dir das nicht selbst denken? Jeder hier im Präsidium weiß doch, wie eng du mit dem Professor befreundet bist. Die Staatsanwaltschaft will lediglich sicherstellen, dass größtmögliche Objektivität gewahrt bleibt.“


War es das, was hier alle dachten? Dass er befangen war? Für einen kurzen Augenblick wollte Thiel sich darüber lautstark empören. Er hatte genug Berufserfahrung, um sich auch in einem solchen Fall auf sein Ermittlergespür verlassen zu können. Doch schon im gleichen Moment merkte er, wie ihm Zweifel kamen. Hatte er nicht selbst von vornherein kategorisch ausgeschlossen, dass Boerne der Täter sein könnte, ohne sich mit der Beweislage vertraut zu machen?

„Ich sage ja nicht, dass du Boerne grundsätzlich als Tatverdächtigen ausschließen sollst“, beharrte Thiel geduldig. „Trotzdem kann keiner von mir verlangen, tatenlos abzuwarten wie sich die Dinge entwickeln. Ich bin nicht befangen, das ist Blödsinn!“
Tobias zog zweifelnd die Stirn kraus. „Und dein Auftritt heute Nacht? Auf mich hat es den Eindruck gemacht, als wolltest du Boerne da kategorisch raushalten.“
Thiel schnaubte beleidigt. „Ich wollte lediglich, dass du mir einen stichhaltigen Beweis für deinen Tatverdacht vorlegst, außer dem Wagen, der dort stand.“


Thiel beobachtete, wie Tobias zögernd die Lippen schürzte. Der Mann verharrte einige Sekunden schweigend, während er offenbar mit sich haderte. Dann überwand er sich ein Blatt Papier aus einer Mappe zu ziehen und dieses demonstrativ zu ihm hinüberzuschieben.
„Kennst du diesen Mann?“, fragte er, doch es war nur eine rhetorische Frage. Thiel spürte, wie sich etwas schmerzhaft in seiner Brust zusammenzog, als er das Phantombild anstarrte. Selbst wenn man diesen Zeichnungen hin und wieder Ungenauigkeit vorwerfen konnte, war dieses Gesicht unverkennbar.


„Wie zuverlässig ist der Zeuge?“, hakte Thiel dennoch nach.
Sehr zuverlässig! Frank, dieses Bild ist eindeutig. Der Mann hat Boerne zur fraglichen Zeit überstürzt aus dem Haus flüchten sehen und zwar nur ihn! Da war niemand sonst. Selbst wenn der Professor also nichts mit dem Mord zu tun hatte, wieso ist er dann untergetaucht?“
Das schlimmste an dieser Frage war, dass sie vollkommen berechtigt war. Thiel hatte sich darüber selbst schon den Kopf zerbrochen. Trotzdem scheute er sich davor, jetzt und hier ein Urteil zu fällen.


„Was sagt das rechtsmedizinische Gutachten?“, wich er deshalb aus, doch statt einer Antwort lächelte Tobias nur trocken.
„Du glaubst doch wohl nicht, dass wir die Untersuchung hier in Münster durchführen lassen. Frau Haller ist mindestens so befangen wie du. Wir haben den Leichnam in ein anderes Institut bringen lassen und warten noch auf die Ergebnisse.“
Thiel ersparte sich den Versuch danach zu fragen, in welches Institut man das Opfer gebracht hatte, da er auf eine Information ohnehin vergeblich hoffen durfte. Innerlich machte er sich bereits eine Notiz, dass das eins der ersten Dinge sein würde, die er nach diesem Gespräch in Erfahrung bringen musste.


„Wieso vertraust du mir nicht einfach?“
Tobias‘ Frage löste ein mulmiges Gefühl in seiner Magengegend aus. Er hatte keine Zweifel daran, dass der Mann seinen Job gut machte. Er hatte immer sehr große Stücke auf ihn gehalten und spielte seit längerem mit dem Gedanken, ihn für eine Beförderung vorzuschlagen. Doch in diesem Fall saß er selbst in einer Zwickmühle. Ja, Tobias war sein Freund, aber das war Boerne auch. Er wollte keinem von beiden misstrauen.


„Wenn ich an seiner Stelle wäre, würdest du dich dann damit zufrieden geben, Däumchen zu drehen und abzuwarten? Wenn du die Leitung schon nicht abgeben kannst, dann gib mir wenigstens eine Chance dir zu helfen.“
Der Versuch war gewagt, aber nicht aussichtslos. Er konnte sehen, wie Tobias nachdenklich den Blick senkte. Zumindest hatte Thiel so die Gewissheit, dass er sich noch auf seine Loyalität verlassen konnte.


„Es tut mir leid, aber ich kann mich nicht über die Entscheidung der Staatsanwaltschaft hinwegsetzen.“
Diese Antwort schien endgültig zu sein. Thiel erkannte, dass es zwecklos war, hier noch etwas zu bewegen. Wenn er das Problem lösen wollte, musste er es an der Wurzel packen. Trotzdem konnte er seine Enttäuschung nicht verbergen.
„Es hat Zeiten gegeben, da warst du nicht so ein Korinthenkacker.“
„Es hat auch Zeiten gegeben, da hatte ich noch keine Familie, für die ich die Verantwortung trage.“


Thiel nickte nur, schluckte seine Frustration dabei herunter. Er wurde sich schmerzlich bewusst, dass auch er einst so gedacht hatte: Bloß keine Fehler machen! Bloß nicht den Job gefährden, denn du hast eine Frau und einen kleinen Jungen, für die du sorgen musst.
Er hätte damals alles für die beiden getan, doch je mehr er sich für sie krumm gemacht hatte, desto hilfloser musste er mitansehen, wie alles in die Brüche ging. Und das war das Resultat: Susanne und Lukas lebten ein eigenes Leben im fernen Neuseeland und die Kontakte zu seinem Sohn wurden von Jahr zu Jahr weniger. Er hatte also keineswegs das Recht, Tobias zu Entscheidungen zu nötigen, die ihn vielleicht den Job und dann womöglich gar sein Familienleben kosten könnten.


Mit wenigen Worten verabschiedete er sich und verließ das Büro seines Kollegen. Doch schon nach wenigen Schritten wurde er wütend über seine Resignation. Er hatte den Rahmen seiner Möglichkeiten längst noch nicht ausgeschöpft. Damit würde er jetzt sofort beginnen.

(tbc)


<----Kapitel 2 ::: Kapitel 4 ---->

jolli87 [userpic]

Fanfiction: Westfälischer Krieg - Kapitel 2: Kein Zurück

October 13th, 2013 (03:38 pm)
awake

current mood: awake

Short-Cut: Ein blutiger Mord, ein schwerwiegender Verdacht und jede Menge offene Fragen. Frank Thiel wird mit einem schweren Fall konfrontiert: ausgerechnet Boerne steht unter dem Verdacht, eine Frau brutal ermordet zu haben, doch der Rechtsmediziner ist spurlos verschwunden. Noch dazu werden dem Hauptkommissar aus der Führungsetage immer wieder Steine in den Weg gelegt. Inwieweit ist die Staatsanwaltschaft in den Fall involviert?
Hin und hergerissen zwischen seiner Freundschaft zu Boerne und seinen Pflichten als Ermittler, versucht Thiel nicht nur, nach Kräften Licht in diesen ominösen Fall zu bringen, er muss sich auch mit einem Stück Münsteraner Stadtgeschichte herumschlagen, die ihm vielleicht hilft, den wahren Mörder zu finden.

Fandom: Tatort Münster
Kategorie: Krimi, Drama, Freundschaft
Rating: PG-16
Anmerkung: Ein ganz großes Dankeschön an
cricri_72 fürs Betalesen!!!

[KEIN ZURÜCK]
Du denkst, du könntest fliehen vor dem, was du getan hast, doch das ist ein Trugschluss. Du denkst, du könntest weitermachen wie bisher, doch das ist naives Wunschdenken. Ein einziger Moment hat dein Leben verändert, jetzt musst du sehen, was du aus dieser verzwickten Situation machst. Heute Nacht gehst du besser nicht nach Hause, es ist zu riskant. Auch die eigenen vier Wände können zu einem Gefängnis werden, wenn du unvorsichtig bist. Und unvorsichtig bist du nicht, denn du bist clever. Du weißt, was jetzt passieren wird, du kennst die Abläufe der Ermittlungen. Wenn du allen einen Schritt voraus bist, kann dir nicht viel passieren.

Dein Handy klingelt; mehrmals. Besser du schaltest es aus! Du weißt genau, wer da versucht dich anzurufen, doch du willst nicht mit ihm sprechen. Jetzt musst du auf dich selbst aufpassen, alles andere ist nebensächlich.
Du bist unglaublich wütend, auch auf dich selbst. Die Lage ist außer Kontrolle geraten, das hätte nicht passieren dürfen. Jetzt ist ein Mensch tot. Der Anblick des vielen Blutes geht dir nicht mehr aus dem Kopf. Trotzdem spürst du keine Gewissensbisse. Warum? Vermutlich ist es noch zu früh. Dein Verstand muss die Lage erst mal verarbeiten. Aber du fühlst, dass du nichts fühlst und das erschreckt dich. Du erkennst dich selbst nicht mehr. Du bist ein anderer Mensch geworden.

Die Dämmerung hat eingesetzt. Ein neuer Tag beginnt. Es ist sinnlos sich jetzt darüber Gedanken zu machen, was in der Vergangenheit schiefgegangen ist. Du musst an die Zukunft denken; an deine Zukunft. Du musst eine Strategie entwickeln und denken, wie deine Gegner denken. Ja, du hast jetzt Gegner! Vergiss das nicht! Du darfst keine Rücksicht nehmen. Vor dir hat das auch niemand getan. Du hast gar keine andere Wahl.

Du atmest tief durch. Die frische Morgenluft beruhigt dich. Allmählich beginnen sich die verstreuten Gedanken in deinem Kopf zu ordnen. Du hast nichts falsch gemacht. Opfer müssen gebracht werden. Du hast ein Ziel und an das musst du dich halten. Wenn der Weg dorthin über Leichen führt, dann muss das eben so sein.

(tbc)

<---Kapitel 1 :::: Kapitel 3 --->

jolli87 [userpic]

Fanfiction: Westfälischer Krieg - Kapitel 1: Spurlos verschwunden

October 10th, 2013 (09:20 am)
tired

current mood: tired

Short-Cut: Ein blutiger Mord, ein schwerwiegender Verdacht und jede Menge offene Fragen. Frank Thiel wird mit einem schweren Fall konfrontiert: ausgerechnet Boerne steht unter dem Verdacht, eine Frau brutal ermordet zu haben, doch der Rechtsmediziner ist spurlos verschwunden. Noch dazu werden dem Hauptkommissar aus der Führungsetage immer wieder Steine in den Weg gelegt. Inwieweit ist die Staatsanwaltschaft in den Fall involviert?
Hin und hergerissen zwischen seiner Freundschaft zu Boerne und seinen Pflichten als Ermittler, versucht Thiel nicht nur, nach Kräften Licht in diesen ominösen Fall zu bringen, er muss sich auch mit einem Stück Münsteraner Stadtgeschichte herumschlagen, die ihm vielleicht hilft, den wahren Mörder zu finden.

Fandom: Tatort Münster
Kategorie: Krimi, Drama, Freundschaft
Rating: PG-16
Anmerkung: Ein ganz großes Dankeschön an
cricri_72 fürs Betalesen!!!


[SPURLOS VERSCHWUNDEN]
Er hatte von Schnee geträumt. Schnee so weit das Auge reichte und so tief, dass man unweigerlich darin versank. Blind waren seine Versuche gewesen, sich aus dieser weißen Hölle zu befreien und zwecklos seine Versuche um Hilfe zu schreien. Seltsamerweise war das Eis gar nicht kalt gewesen. Im Gegenteil, es hatte ihm den Schweiß auf die Stirn getrieben. Und eben jene Schweißperlen waren es auch, die ihm über das Gesicht rannen, als er unsanft aus diesem verstörenden Traum gerissen wurde.

Es dauerte einen Moment, bis sich sein Verstand wieder mit der Realität auseinandersetzen konnte. Für einen Augenblick glaubte er sogar die schummrige Zwischenwelt erkennen zu können, die den Übergang zwischen Traumwelt und Wachzustand verzerrte.
Dann aber assoziierte sein Gehirn die penetranten Geräusche neben sich mit dem klaren Befehl nach dem Handy zu greifen und die Hörertaste zu drücken.


„Was gibt’s?“, brummte er unwirsch, während er sich mit der anderen Hand müde über die Augen rieb. Er musste nicht aufs Display sehen, um zu wissen, wer ihn mitten in der Nacht anrief.
„Tut mir leid, Chef“, hörte er die vertraute Stimme der jungen Frau, die nunmehr seit über zehn Jahren an seiner Seite arbeitete; die mit Verstand und Charme sein oft so sprunghaftes Handeln zu komplementieren wusste; auf die er sich immer verlassen konnte. Hauptkommissar Frank Thiel schätzte seine junge Assistentin sehr, doch in diesem Augenblick verfluchte er sie. Wenn sie zu nachtschlafender Zeit bei ihm anrief, bedeutete das nur eines: Arbeit.


„Ich kann nicht lange sprechen, mein Akku ist gleich alle. Es gibt hier etwas, was Sie sich unbedingt ansehen sollten“, fuhr Nadeshda Krustenstern unbeeindruckt fort und bestätigte damit Thiels Verdacht. Die Nachtruhe war vorbei.
„Och nee“, stöhnte er gequält und kam nicht umhin, fast weinerlich zu jammern: „Das ist mein erster Urlaub seit Monaten. Kann das nicht ‘wer anders übernehmen?“


Als ob es in ganz Münster keinen anderen  Kriminalkommissar gab! Er hatte seit Tagen diesen Urlaub herbeigesehnt. Zwar hatte es glücklicherweise schon seit Längerem keinen Mord mehr in der Stadt gegeben, aber der große Stapel alter Akten auf seinem Schreibtisch, Vermisstenfälle, die sich schlussendlich als Irrtum entpuppten und zerstrittene Schrebergartennachbarn, die sich gegenseitig Drohbriefe schrieben, hatten schon dafür gesorgt, dass er sich nicht über zu wenig Arbeit beklagen musste. Thiel liebte seinen Job, doch auch er machte hin und wieder Phasen durch, in denen er alldem einfach nur den Rücken kehren wollte. Vorstufe zum Burnout, hatte sein Nachbar das genannt. Aber auf die psychologische Diagnose eines Rechtsmediziners konnte er gut verzichten.

„Sorry, Chef. Aber es ist echt wichtig.“ Nadeshda klang drängender als sonst, das machte ihn stutzig. „Ich habe Ihrem Vater schon Bescheid gesagt. Er holt Sie in einer Viertelstunde ab.“
Thiels hilfloser Blick wanderte zur Uhr auf seinem Nachttisch: 4:20 Uhr. Wenigstens hatte er die Tiefschlafphase erfolgreich hinter sich gebracht.
Er dachte an all die Dinge, die er in der kommenden Woche erledigen wollte, an die gemütlichen Fernsehabende mit einer Flasche Bier. Eine Leiche stand definitiv nicht auf seiner To-Do-Liste.


„Na schön“, seufzte er ergeben. „Um was geht’s denn?“
Er konnte sich wenigstens anhören, was seine Assistentin zu sagen hatten, dann konnte er immer noch entscheiden, an wen er das Ganze großzügig weiterdelegieren würde.
„Ich steh‘ hier vor dem Haus von…“ Nadeshdas Stimme brach abrupt an.
„Vor dem Haus von wem?“, hakte Thiel ungeduldig nach, doch eine Antwort blieb aus. Fluchend schlug er die Decke zurück und hob seine Füße aus dem Bett. In diesem Augenblick hätte er sich gewünscht, dass auch sein Handyakku sich rechtzeitig verabschiedet hätte, damit er dieses Gespräch gar nicht erst in Empfang hätte nehmen müssen.


Seine Laune blieb allerdings hartnäckig im Bett liegen, während er sich anzog und mit einer Ladung Wasser die Müdigkeit zu vertreiben versuchte. Hoffentlich lohnte es sich wenigstens, dass er sich schon die ersten Stunden seines gerade begonnenen Urlaubs ruinieren ließ.
Sein Vater war erstaunlich pünktlich. Wahrscheinlich wusste er längst über alles Bescheid, weil er mal wieder nicht die Finger vom Polizeifunk lassen konnte. Das war einer der Gründe, weshalb er so gerne Nachtschicht fuhr – neben der zusätzlichen Kohle für den Nachtzuschlag verstand sich.

Thiel stieg ins Taxi, ohne viele Fragen zu stellen. Er hatte keine Lust auf Konversation, aber noch weniger darauf, mit dem Fahrrad an den Tatort zu fahren. Deshalb wollte er lieber einen Streit vermeiden.

Obwohl sich die Funkstille zwischen ihm und seinem Vater damals über Jahre hinweg gezogen hatte, war ihr Band inzwischen erstaunlich eng geworden. Mehr Familie hatte er nunmal nicht mehr. Ihre Meinungsverschiedenheiten waren zwar immer noch geblieben, aber sie hatten beide gelernt, wann es sich nicht lohnte, gegen den Dickschädel des anderen anzugehen.

In diesem Fall wusste sein Vater lediglich die Adresse, zu der Nadeshda ihn bestellt hatte, aber nichts darüber, was passiert war. Also bevorzugte es Thiel mit grimmiger Miene zum Fenster hinauszusehen statt zu sprechen, was sein Vater aber offenbar als willkommene Gelegenheit verstand, ihn mit seiner grenzenlosen Weisheit zu erleuchten.
„Mensch Junge, du siehst aus, wie der letzte gammelige Karpfen in der Fischtheke. Du solltest dringend Urlaub nehmen.“

Manchmal fragte sich Thiel, womit er das eigentlich verdient hatte. Er selbst war doch ein so umgänglicher, toleranter Mensch. Was hatte er verbrochen, um immer wieder auf die Abgründe der menschlichen Rücksichtslosigkeit zu stoßen?

Die Fahrt dauerte glücklicherweise nicht allzu lange. Nach gut zehn Minuten bog das Taxi von der Hauptverkehrsachse in die beidseits zugeparkte Straße einer 30er-Zone ein. Mehrfamilienhäuser reihten sich aneinander, hinter deren Fenster um diese Zeit nur selten Licht brannte. Coerde war in den letzten 20 Jahren zu einem Magneten für Zuzügler geworden. Die Stadt hatte eine Menge Geld in den Ausbau von Wohngebieten gesteckt und dabei auch vor dem alten Militärgelände nicht Halt gemacht, wo heute moderne Bürogebäude wie Pilze aus dem Boden schossen. Thiel hatte oft genug die Kollegen darüber reden hören, er selbst kümmerte sich darum nur wenig. Er lebte noch nicht lange genug in Münster, um von sich behaupten zu können, eine nennenswerte Stadtentwicklung beobachtet zu haben.

Als sie um eine Biegung fuhren, veränderte sich das friedliche Bild der Vorstadtnachbarschaft augenblicklich. Ein halbes Dutzend Autos parkte vor einem mehrstöckigen Haus, in dem fast überall Licht brannte. Ein Dienstwagen der Polizei mit laufendem Blaulicht tauchte die ganze Szenerie in ein kaltes, fast unwirkliches Licht. Beamte hatten sich zu Grüppchen zusammengetan, um auf Schaulustige einzureden, die trotz dieser unmenschlichen Uhrzeit magisch von einem Ort des Verbrechens angezogen wurden.
Kein Zweifel, sie hatten ihr Ziel erreicht.


Thiel verabschiedete sich nur beiläufig von seinem Vater, als er ausstieg und er war froh, dass der keinen weiteren Kommentar verlauten ließ und stattdessen wieder fuhr. Für einen kurzen Moment blieb er stehen und ließ seinen Blick an der Fassade des Hauses hinauf wandern. Im zweiten Stock konnte er hinter einigen Fenstern die Schatten von Menschen umher huschen sehen; vermutlich die Spurensicherung, die den Tatort begutachtete.
Seine Augen wanderten weiter zu den neugierigen Anwohnern, die entweder auf die Straße hinausgetreten waren oder aus ihren Fenstern lehnten, um zu sehen, was sich hier ereignet hatte. Und schließlich erspähte er nur wenige Meter entfernt die klaren Umrisse eines Maserati, der nur einem gehören konnte.
Thiel seufzte. Also doch eine Leiche.


Zu seiner Überraschung war es nicht Nadeshda, die an der offenen Tür zum Treppenhaus auf ihn wartete, sondern der leicht zerzauste Haarschopf von Johannes Becker. In jeder Hand einen Kaffeebecher und die Augen hinter der schwarzumrahmten Brille suchend umherwandernd, wirkte er dort fast wie bestellt und nicht abgeholt. Als er jedoch Thiel bemerkte, wich die Verwunderung recht schnell einem breiten Lächeln.

„Herr Thiel!“, grüßte er ihn schon von weitem, als habe er Angst übersehen zu werden. „Mit Ihnen habe ich aber jetzt gar nicht gerechnet.“
„Ja, da geht es Ihnen wie mir. Ist der Kaffee für mich?“
Becker starrte die Becher in seiner Hand an, als hätte er bisher gar nicht gemerkt, dass diese überhaupt existierten, ehe er einen von ihnen an Thiel weiterreichte.


Zumindest hatte der Mann schon vorausschauend gedacht. Wenn er sich schon aus seinem Urlaubsschlaf reißen ließ, war ein Kaffee doch wohl das Mindeste! Dass Becker nun mit ihm nach drinnen ging und ihn auf dem Weg nach oben begleitete, bestätigte Thiel jedoch, dass hier nur ein gewaltiges Missverständnis vorliegen konnte. Der manchmal leicht schusselige, wenn auch sehr dienstbeflissene junge Mann arbeitete schon seit einiger Zeit als Assistent von Oberkommissar Tobias Köster. Als stellvertretender Abteilungsleiter übernahm Köster stets die Fälle, die Thiel entweder abgeben musste, wenn er selbst schon genug zu tun hatte, oder - wie jetzt - eigentlich im Urlaub war. Wenn also Becker hier war, dann war es Köster sicher auch und so war seine eigene Anwesenheit eigentlich völlig überflüssig.

„Und? Was haben wir?“, fragte er dennoch, während er an Beckers Seite die Treppe nach oben stieg.
„Eine weibliche Leiche, Mitte 40, sehr wahrscheinlich die Mieterin der Wohnung. Ein Nachbar hat sie heute Nacht gefunden.“
Thiel runzelte kritisch die Stirn. „Hatte der nichts Besseres zu tun, als nachts fremde Wohnungen zu begutachten?“
„Doch! Er war mit seinem Hund spazieren.“

Thiel schnaubte nur. Genau das war der Grund, warum er sich keinen Hund anschaffte. Ihm genügte schon ein arbeitswütiger Nachbar, der ihn regelmäßig um den Schlaf brachte.
„Er wurde stutzig, nachdem er jemanden fluchtartig aus dem Haus rennen sah. Wir haben ihn bereits ins Präsidium gebracht, damit er ein Phantombild erstellen kann.“
„Sehr gut.“


Becker strahlte bis über beide Ohren angesichts dieses Lobes, obwohl Thiel viel eher maßlos empört gewesen wäre, wenn man den Zeugen nicht sofort befragt hätte. Er hoffte noch immer, dass er diesen Fall nicht bearbeiten musste, und wenn doch, dass er sich dann wenigstens schnell aufklären ließ. Becker war noch jung, gerade mal Ende 20. Er würde noch einiges über Pflicht und Kür im Polizeidienst lernen müssen.

„Weiß man schon ‘was zur Todesursache?“
„Ja, das ist ziemlich eindeutig. Der Frau wurde die Kehle aufgeschlitzt. Die Tatwaffe fehlt noch, aber der Täter hat ein ziemliches Blutbad hinterlassen.“
„Na großartig.“
Blutbad auf nüchternen Magen, das hatte ihm gerade noch gefehlt. Sehnsüchtig dachte er daran, dass er jetzt noch genauso gut in seinem Bett liegen und sinnlose Träume haben könnte.


Mittlerweile hatten sie das zweite Stockwerk erreicht und traten in die Wohnung, in der sich der Mord ereignet hatte. Das geschäftige Treiben der Männer und Frauen in den weißen Overalls war ihm sehr gut vertraut. Hin und wieder erhellte ein Blitzlichtgewitter die Räumlichkeiten, dann hörte man, wie jemand ein paar Worte in ein Diktiergerät sprach.

Der erste Eindruck, den Thiel von der Wohnung gewann, war der eines zwar spärlich, aber gemütlich eingerichteten Ortes, an dem man sich schnell wohlfühlen konnte. Alles wirkte noch sehr neu, was sowohl für die Architektur wie die Möbel galt. Die Bücherregale waren nicht überladen, vermutlich war die Sammlung gerade erst im Begriff gewesen sich zu entwickeln. Und an einigen Wänden hingen große Bilder aus exotischen Weltregionen, die den Räumen ein buntes Flair verliehen.
Obwohl Thiel das Opfer zwischen all den weißen Gestalten noch nicht sehen konnte, entwickelte sich in seinem Kopf bereits ein Bild der Person, die hier gelebt hatte: eine alleinstehende Frau, die noch nicht lange hier in Münster wohnte; die belesen und weltoffen war, nicht immer ganz ordentlich, aber verantwortungsbewusst.
Was hatte so ein Mensch wohl getan, um jemanden dazu zu bringen zum Mörder zu werden?


„Was ist mit der Tatzeit?“, fragte er mit Blick auf die Menschentraube, die sich um den Leichnam gebildet hatte. Thiel konnte jedoch nicht viel mehr sehen als die große Blutlache, die sich auf dem hellen Parkettboden ausgebreitet hatte.
„Irgendwann zwischen Mitternacht und 2 Uhr morgens“, entgegnete ihm Becker. „So genau wissen wir es noch nicht. Wir warten noch auf eine rechtsmedizinische Einschätzung.“


Das war sein Stichwort. Wenn er sich schon mitten in der Nacht von seinem Vater hierher kutschieren lassen musste, hätte er wenigstens erwarten können, dass Boerne schon ein paar Ergebnisse parat hatte, wenn er hier eintraf. Aber der Rechtsmediziner liebte es gerade in diesen Situationen, sein Können durch besonders langes und gründliches Überprüfen unter Beweis zu stellen.
„Dann sagen Sie dem Herrn Professor mal, er soll in die Puschen kommen. Ich hab‘ nämlich keine Lust, meine wertvolle Zeit damit zu verschwenden, auf seine erhellenden Ergebnisse zu warten.“
Becker runzelte irritiert die Stirn. „Wieso der Professor?“
„Na ich hab‘ doch draußen seinen Wagen stehen…“
„Frank!“


Aus dem Treppenhaus näherten sich eilige Schritte, ehe ein sportlich gekleideter Mann Ende 30 zu ihnen stieß. Im Gegensatz zu ihm, schien Tobias Köster topfit zu sein. Seine dunklen Augen unter den markant schwarzen Augenbrauen blitzten ihn fast schon euphorisch an, obwohl er sichtlich verwirrt über diese Begegnung schien. Tobias war ein guter Mann. Thiel hatte ihn nicht umsonst für den Posten des Stellvertreters vorgeschlagen, den er nun seit vielen Jahren hervorragend ausfüllte. Er war ein Taktiker, dachte zuerst nach, bevor er handelte. Niemals tat er etwas überstürzt. Manchmal hatte Thiel ihm schon den Rat gegeben, besser mal mehr auf seinen Bauch zu hören, doch in so einem Fall war der Mann nicht auf den Mund gefallen. Ich habe nicht genügend Bauch dafür, hatte er scherzhaft geantwortet. Danach waren sie einen trinken gegangen.

Thiel schätzte ihn als Kollegen ebenso wie als Kumpel und das, obwohl er HSV-Fan war. Bei einem Bier und zu fortgeschrittener Stunde hatten sie so manches Mal ausschweifende Debatten zum Thema Fußball geführt, doch diese Zeiten waren inzwischen vorbei. Tobias war mittlerweile Vater geworden und kümmerte sich hingebungsvoll um seine noch sehr junge Familie. Thiel beobachtete dies mit gemischten Gefühlen, denn er wusste aus eigener Erfahrung, wie schnell dieser Job das Privatleben zerstören konnte.

„Was machst du denn hier? Ich dachte, du wärst im Urlaub.“
„Ja, das dachte ich auch.“
Wenn er gewusst hätte, dass man Tobias verständigt hatte, hätte er sich nicht aus dem Bett scheuchen lassen. Leider war es nicht das erste Mal, dass versehentlich mehrere Ermittler zum selben Tatort gerufen wurden.
„Hörst du neuerdings nachts den Polizeifunk ab, oder hat dein Vater mal wieder die Ohren gespitzt?“
„Wieso?“
„Das ist mein Fall, Frank.“


Thiel verzog kritisch das Gesicht. Offenbar musste er ein paar ernste Worte mit Nadeshda reden. Wenn er zuvor schon grimmig angesichts der nächtlichen Störung gewesen war, wurde er nun regelrecht wütend, dass er völlig umsonst durch die halbe Stadt gegondelt war.
„Was ist los, Becker?“, wandte sich Tobias in strengem Tonfall an seinen völlig verdatterten Assistenten. „Wo ist überhaupt mein Kaffee, den Sie mir bringen sollten?“
Becker wurde augenblicklich zehn Zentimeter kleiner, während er verlegen auf den Kaffeebecher in Thiels Hand schielte.


„Ist das hier versteckte Kamera, oder…“
Thiel verstummte schlagartig mitten im Satz, als sich für einen kurzen Moment eine Lücke zwischen den Spurensicherern bildete, sodass ihm zum ersten Mal ein Blick auf das Opfer gewährt wurde. Thiel fühlte, wie sämtliche Farbe sein Gesicht verließ und zwar nicht allein durch den Anblick des blutverschmierten Gesichtes mit den weitaufgerissenen Augen. Vor seinem inneren Auge blitzten Bilder auf, in denen er dieses Gesicht noch mit sehr viel Leben in Erinnerung hatte.


„Chef?“
Thiel war nicht fähig sich umzudrehen, obwohl sich bereits wieder ein Kriminaltechniker so über die Leiche gebeugt hatte, dass er selbst nichts mehr sehen konnte. Dennoch starrte er weiterhin in die Richtung, hörte aber sehr deutlich Kösters kritische Worte.
„Na das hätte ich mir ja denken können! Wer hat Sie denn bestellt?“
„Entschuldigen Sie mal! Aber ich wusste nicht, dass es neuerdings ein Monopol auf Leichen gibt.“ Wenn man Nadeshdas zierliche Gestalt sah, ahnte man oft nicht, welchen Nachdruck sie ihrem Tonfall verleihen konnte, wenn ihr etwas nicht gefiel. In diesem Fall war ihre Entrüstung jedenfalls unmissverständlich.

„Schon mal etwas von Zuständigkeitsbereich gehört?“, schimpfte Tobias dessen ungeachtet.
„Wird das jetzt ein Kampf um das Sandförmchen, oder was?“
„Sie schlagen mal ganz schnell einen anderen Ton an, klar?“


„Hey!“ Thiels Stimme war laut und bestimmend genug, um die beiden Streithähne zum Schweigen zu bringen. Zumindest hatten sie es geschafft, dass er sich vom Anblick der Leiche losreißen konnte.
„Kann mir vielleicht endlich jemand erklären, was hier los ist?“

Nadeshda öffnete bereits den Mund, doch Köster ließ ihr keine Gelegenheit das Wort zu ergreifen.
„Ja, das kann ich. Deine Assistentin hat dich angerufen, weil du die Tote kennst, hab ich Recht?“

Thiel schürzte grimmig seine Lippen, bemerkte aber, wie Nadeshda betreten den Blick senkte. Es wäre ihm lieber gewesen, sie hätte noch die Gelegenheit gehabt, ihm gleich am Telefon zu erzählen, was hier passiert war. Nun war er in der peinlichen Situation, sich vor seinem Kollegen erklären zu müssen.

„Kennen ist zu viel gesagt“, wich er daher aus und das war noch nicht einmal gelogen.
„Ach komm, hör auf mit den Ausflüchten“, fiel ihm Tobias aufgebracht ins Wort. „Du weißt so gut wie ich, dass das Lisa Neumann ist und dass sie Boernes Freundin war.“


Thiel sah nicht ein darauf etwas entgegnen zu müssen, vor allem nicht deswegen, weil Tobias verdammt nochmal Recht hatte. Im Polizeipräsidium hatte die Gerüchteküche längst gebrodelt. Ausgerechnet der versnobte, eitle Rechtsmediziner Boerne war in der Innenstadt beim Flirten mit einer attraktiven Frau gesichtet worden. Solche Nachrichten verbreiteten sich stets wie ein Lauffeuer unter den Kollegen. Thiel hatte nicht zugegeben, dass er schon vorher Bescheid gewusst hatte. Er hatte Lisa Neumann das erste Mal gesehen, als Boerne versucht hatte, sie heimlich in seine Wohnung abzuschleppen. Zu dumm nur, dass Thiel ausgerechnet da aus dem Keller gekommen war, weil er sich ein Sixpack Bier in den Kühlschrank stellen wollte. Der Hauptkommissar hatte sich köstlich über Boernes hilflose Versuche, die Situation zu erklären, amüsiert. Lisa offenbar auch, deshalb hatte sie die Initiative ergriffen und sich mit aller Höflichkeit bei ihm vorgestellt.
Natürlich hatte Thiel seinen Nachbarn immer wieder gern mit alldem aufgezogen, aber er missgönnte Boerne diese Beziehung nicht. Im Gegenteil, Lisa schien ihm gutzutun und er selbst profitierte davon, dass der Rechtsmediziner nun eine andere Beschäftigung hatte, als ständig an seiner Tür zu klingeln.
Das alles war jetzt nicht ganz fünf Wochen her. Die Beziehung der beiden hatte gerade erst angefangen sich wirklich zu entwickeln, doch nicht mal drei Meter entfernt lag für Thiel der Beweis, dass dieses Verhältnis nun ein jähes Ende gefunden hatte.


„Die Indizienlage ist klar genug, dass wir unsere Schlüsse ziehen können“, fuhr Tobias fort.
„Welche Schlüsse?“
„Frank, stell dich nicht dümmer, als du bist. Oder wie erklärst du dir, dass sein Wagen draußen vor der Tür steht, aber von ihm jede Spur fehlt?“
„Dafür kann es ein Dutzend Gründe geben!“
Tobias‘ Blick war zweifelnd. „Ja, sicher.“


Erst als er nochmal über seine eigenen Worte nachdachte, wurde Thiel schlagartig bewusst, dass er instinktiv damit begonnen hatte Boerne zu verteidigen, obwohl er noch nicht die geringste Ahnung hatte, was hier passiert war. Der Ermittler in ihm tadelte ihn dafür, schließlich hätte er in jedem anderen Fall denselben Schluss gezogen wie sein Kollege. Aber eine andere Stimme sagte ihm, dass der Verdacht gegen Boerne nur völlig aus der Luft gegriffen sein konnte. Der Rechtsmediziner war zwar zu vielem fähig, doch er brachte sicher keine Menschen um, schon gar nicht diese Frau!

„Tobias, du glaubst doch wohl nicht wirklich, dass Boerne…“
„Was ich glaube, spielt keine Rolle! Ich ermittle. Und zwar objektiv.“
Vielleicht war der provokative Unterton gar nicht beabsichtigt gewesen. Vielleicht interpretierte Thiel zu viel in eine winzige Nuance der Stimme seines Gegenübers. Aber er kam nicht umhin einen Vorwurf aus dem letzten Satz herauszuhören.

„Was willst du damit sagen?“ Nun konnte auch er nicht mehr seine Aggressionen unterdrücken.
„Damit will ich sagen, dass das hier mein Fall ist und du dich nicht einmischen solltest. Du bist nicht im Dienst, also kann ich dich wie jeden anderen auffordern, den Tatort zu verlassen.“

Thiels Augen verengten sich vor Zorn. Er brauchte nicht laut zu fluchen, um seine Botschaft zu übermitteln: „Arschloch!“

Er hatte Tobias für vernünftiger gehalten, wobei Thiel jedoch zugeben musste, dass sich der unbeschwerte Kumpel von einst schon in den letzten Wochen und Monaten zu einem peniblen Beamten verändert hatte, der gern Dienst nach Vorschrift machte. Thiel hatte das auf den Stress geschoben, der zwangsläufig aus der Doppelbelastung von Beruf und Familie entstand. Aber in diesem Moment war er mehr als enttäuscht von der Engstirnigkeit seines Gegenübers.

„Kommen Sie, Chef“, hörte er, wie ihn Nadeshda vorsichtig ansprach. „Es ist besser, wenn wir gehen.“ Thiel gab ihr mit einem Nicken zu verstehen, dass er sie gehört hatte, auch wenn er nach wie vor einen grimmigen Blick mit Tobias wechselte. Dieser straffte seine Schultern und gab ihm damit klar zu verstehen, dass er zu keiner weiteren Diskussion bereit war. Also schnaubte Thiel lediglich, ehe er Nadeshda ins Treppenhaus folgte und mit ihr nach unten ging.
„Sie hätten mir ruhig am Telefon schon sagen können, um was es geht“, bemerkte er grimmig, als er mit ihr in die frische Nachtluft hinaustrat.
„Tut mir leid. Aber dazu hatte ich dann leider keine Gelegenheit mehr. Ich bin ja schon froh, dass ich selbst mitbekommen habe, was hier passiert ist.“


Die meisten Schaulustigen waren inzwischen wieder nach Hause gegangen. Lediglich ein paar Polizeibeamte standen noch beisammen und unterhielten sich. Auf der Straße waren die Lichter eines Autos zu sehen, das sich näherte. Kurz darauf identifizierte Thiel das Fahrzeug als einen Leichenwagen.

Wortlos folgte er Nadeshda entlang der geparkten Fahrzeuge am Straßenrand. Er wusste bereits, wohin sie mit ihm ging.

„Die KTU hatte noch keine Zeit sich den Wagen anzusehen, aber er ist auf jeden Fall nicht abgeschlossen.“
Kritisch ließ Thiel den Blick über den makellos polierten Sportwagen wandern. Eigentlich hätte Köster seinen eigenen Irrtum sehr schnell erkennen müssen. Kein Täter flüchtete zu Fuß vom Tatort und ließ seinen übermotorisierten Wagen einfach stehen. Indem Boerne das Auto stehen gelassen hatte, hatte er doch gerade erst auf sich aufmerksam gemacht.

„Haben Sie schon versucht, Boerne zu erreichen?“, fragte er, während er einen Blick ins Innere des Autos warf, doch er konnte beim besten Willen nichts Verdächtiges feststellen, außer der Tatsache, dass der Rechtsmediziner seinen teuren Schlitten niemals unverschlossen zurückgelassen hätte, wenn nicht etwas Schwerwiegendes passiert wäre.
„Ja, schon ein paar Mal. Geht keiner ran.“
Thiel seufzte. „Scheiße, wo hat er sich da wieder reingeritten?“


Eines hatte Thiel in den letzten zehn Jahren gelernt: Boerne hatte ein fast zwanghaftes Talent, sich immer wieder in Schwierigkeiten zu bringen. Andere Kollegen seines Berufstandes begnügten sich damit, ihre durchaus wichtigen Erkenntnisse den ermittelnden Beamten mitzuteilen und dabei nie die sicheren vier Wände ihres Instituts zu verlassen. Boerne hatte sich mit dieser Rolle aber noch nie zufriedengegeben. Manche hätten seinen selbstlosen Einsatz vielleicht als mutig bezeichnet, Thiel hingegen wusste, dass der Mann oftmals vollkommen leichtsinnig war.

Thiel schätzte seine Arbeit, wirklich! Boerne hatte zweifellos ein hervorragendes kriminalistisches Gespür und ein wachsames Auge. Doch genauso wenig mangelte es ihm an maßloser Selbstüberschätzung und diese brachte ihn immer wieder in brenzlige Situationen.

„Tut mir leid, wenn ich Ihnen den Urlaub versaut habe“, bemerkte Nadeshda ein wenig verlegen. Vor zehn Minuten hätte sich Thiel vermutlich ausführlich darüber empören können, dass seine Assistentin jeglichen Dienstweg außer Acht gelassen hatte. Nun aber war er mehr als dankbar, dass er von alldem erfahren hätte. Egal wie tief Boerne in dieser Sache drinsteckte, Thiel wurde den Verdacht nicht los, dass es mal wieder an ihm war, ihn da rauszuholen.

„Na, Sie haben die arme Frau ja nicht niedergemetzelt, oder?“, entgegnete er und die Ruhe in seiner Stimme erleichterte seine Assistentin offenbar sehr.
„Was machen wir jetzt?“
Eine verdammt gute Frage! Fürs erste war es wichtig, einen klaren Kopf zu behalten und nichts zu tun, was Köster noch mehr verärgern würde.

„Sind Sie mit dem Auto da?“
„Sicher.“
Thiel nickte zufrieden. „Wir rufen als erstes Frau Haller an. Vielleicht weiß die ja, wo der Professor steckt. Wenn nicht, klappern wir die Stadt ab. Mir wär’s ehrlich gesagt lieber, wenn wir Boerne finden, bevor’s Köster tut.“


Nadeshda nickte, um ihre Zustimmung zu bekräftigen, während sie noch im gleichen Moment ihr Handy hervorzog, um die Nummer von Boernes Assistentin zu wählen. Innerlich hoffte Thiel, dass sich alles bald als Missverständnis entpuppen würde und es für die Situation eine ganz einfache Erklärung gab.

Doch als er sah, wie Nadeshda während ihres Gesprächs nur bedauernd den Kopf schüttelte, wusste Thiel, dass schwere Tage auf ihn zukommen würden.

(tbc)


<-----Prolog :::: Kapitel 2 ---->

jolli87 [userpic]

Fanfiction: Westfälischer Krieg - Prolog

October 7th, 2013 (10:13 am)
artistic

current mood: artistic
current song: T.T.L. - Deep shadow

Short-Cut: Ein blutiger Mord, ein schwerwiegender Verdacht und jede Menge offene Fragen. Frank Thiel wird mit einem schweren Fall konfrontiert: ausgerechnet Boerne steht unter dem Verdacht, eine Frau brutal ermordet zu haben, doch der Rechtsmediziner ist spurlos verschwunden. Noch dazu werden dem Hauptkommissar aus der Führungsetage immer wieder Steine in den Weg gelegt. Inwieweit ist die Staatsanwaltschaft in den Fall involviert?
Hin und hergerissen zwischen seiner Freundschaft zu Boerne und seinen Pflichten als Ermittler, versucht Thiel nicht nur, nach Kräften Licht in diesen ominösen Fall zu bringen, er muss sich auch mit einem Stück Münsteraner Stadtgeschichte herumschlagen, die ihm vielleicht hilft, den wahren Mörder zu finden.

Fandom: Tatort Münster
Kategorie: Krimi, Drama, Freundschaft
Rating: PG-16
Anmerkung: Ein ganz großes Dankeschön an
cricri_72 fürs Betalesen!!!

[PROLOG]
Die Nacht war ruhig – zu ruhig, um sich in Sicherheit wiegen zu können. Der Matsch des aufgeweichten Bodens spritzte unter seinen schweren Schritten. Einige Male blieb er stehen, um sich umzudrehen; um zu lauschen. Aber es war niemand zu sehen, niemand zu hören. Einzig und allein ein aufmerksamer Uhu verbreitete aus den Tiefen des Waldes seine warnenden Rufe.

Er fühlte sich nicht sicher; das hatte er noch nie. Mit einem Geheimnis, das man hütete, kam immer auch die Angst entdeckt zu werden. Er wusste, dass er viele Feinde hatte: neidische Blicke und gierige Hände. Der Mensch war nicht zur Bescheidenheit geboren, er strebte immer nach Wohlstand und Macht. Er selbst hatte darin noch nie eine Ausnahme gemacht. In seiner gesellschaftlichen Position wusste er, wozu Geld imstande war. Es war die tückischste Erfindung der Menschheit. Ein Fluch und ein Segen zugleich.

Er hatte viele Fehler gemacht in seinem Leben, das war ihm klar. Aber das Leben war wie eine Rutschbahn: hatte man einmal eine Entscheidung getroffen, schlitterte man unweigerlich in deren Konsequenzen hinein.
In seltenen Momenten bereute er, was er getan hatte. Dann nagten die Gewissensbisse und er spielte mit dem Gedanken, sein Geheimnis preiszugeben. Dann aber meldeten sich die Schulden aus den Abgründen seines Bewusstseins und gaben ihm klar zu verstehen, dass er wählen musste zwischen moralischer Ehrlichkeit oder einem Leben als enteigneter Bettler. Jetzt wurde sein Name noch mit Hochachtung und Wohlwollen ausgesprochen. Wenn er diesen mit seiner Schande beschmutzte, dann färbte das auch auf zukünftige Generationen der Familie ab. Sein Vater hätte ihn dafür verstoßen, wenn er noch am Leben gewesen wäre.


Die Leiter war alt und morsch. Mehrmals hatte er schon befürchtet, dass die Sprossen unter seinem Gewicht nachgeben und er sich beim Sturz das Genick brechen könnte. Dann hätten sich die alten Geschichten wohl endgültig bewahrheitet. An diesem Geheimnis klebte Blut; jahrhundertealt, aber bis jetzt noch nicht vollkommen getrocknet. Mit seinem Griff nach Reichtum hatte er selbst die alten Wunden wieder aufgerissen.

Erst als er sicher war, tief genug ins Erdreich eingedrungen zu sein, wagte er es, die alte Petroleumlaterne anzuzünden. Der Gestank war abstoßend, doch hier unten war es so stockdunkel, dass er sich ohne die Lampe nicht zurechtgefunden hätte.
Sein Herz raste viel zu schnell. Als er unten ankam, musste er stehen bleiben und sich kurz an die Brust fassen. Der stechende Schmerz erinnerte ihn erbarmungslos an sein Alter und die Tatsache, dass er sich längst überfordert hatte. Dennoch setzte er trotzig seinen Weg fort und hörte dabei, wie sein eigener Atem erschreckend verzerrt von den Wänden widerhallte. 


Auf dem Boden hatte sich eine Pfütze gebildet. Es hatte erst kürzlich geregnet und durch die Decke war das absickernde Wasser getropft. Er musste sich darum kümmern. Nichts wäre fataler, als wenn sein Versteck einstürzen würde. Doch nicht heute Nacht. Heute Nacht hatte er andere Prioritäten.

Das dumpfe Geräusch des sich lösenden Türschlosses hatte etwas Beängstigendes. Wie tiefes Donnergrollen löste es sich nur mit Widerwillen, um den Weg in den dahinterliegenden Raum freizugeben. Ein erwartungsvolles Beben erfasste seinen Körper; wie jedes Mal, wenn er immer wieder aufs Neue von dem fasziniert war, was ihn erwartete. Er war diesem unheilverkündenden Glanz verfallen. So wie alle, die ihr Blut dafür gegeben hatten.

(tbc)

jolli87 [userpic]

Kurz vor dem Start

October 6th, 2013 (10:22 am)
nervous

current mood: nervous

Die Fanfiction befindet sich zur Zeit noch in der "Beta-Phase". Ein ganz großes Dankeschön an Cricri, die sich durch dieses Monster arbeitet!!!
Einen ersten Teil habe ich aber praktisch schon in den Startlöchern, es dauert also nicht mehr lange :-)

Es sind ja auch nur noch....zwei Wochen bis zur Chinesischen Prinzessin. Da wollen wir doch mal sehen, in wieweit ich mir mit den Tatort-Machern einig bin. Nicht sehr viel vermute ich mal *g*

jolli87 [userpic]

Mal zwischendurch ein Video

September 13th, 2013 (07:51 pm)
amused

current mood: amused

Als ich dieses Lied im Radio gehört habe musste ich es einfach verarbeiten. Und das ist dabei rausgekommen: ein kunterbunter Tatort-Münster-Mix. Viel Spaß. (nur noch 38 Tage bis zur Chinesischen Prinzessin ;-) )

Musik:
Imagine Dragons - On Top of the World



On Top of the world from Jolli on Vimeo.

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